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Altglas Recycling
Oder: Erste Schritte in die wunderbare Welt der Gleitkraft...
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Der Bottleneck
Eine alte Blueslegende besagt, daß der Bottleneck ursprünglich
aus Gründen der Selbstverteidigung in düsteren Blueskneipen
genutzt wurde. Flaschenhals abgeschlagen, drohend auf den Finger
gesteckt und in Ruhe das Set zuendegespielt ...
Aber nicht nur Flaschenhälse wurden und werden zum sliden
benutzt. Bekannt ist auch die Varriante der Metalslides, als da
wären Messing und verchromte Bottlenecks. Ebenso werden Porzelan-,
Plexiglas- und sogar Holzslides benutzt. Dazu kommen noch kleine
Pillenfläschchen, Knochen und Taschenmesser (wo wir wieder
bei der Selbstverteidigung sind ;-)) All die unterschiedlichen Materialien
haben natürlich unterschiedliche Klangcharakteristiken. Und
wie sonst auch in anderen technischen Bereichen der Gitarre herrschen
fast religiös-ereifernde Kämpfe um das "wahre"
Material aus dem ein Bottleneck sein darf/muß.
Dem Einsteiger sei folgende Grundausstattung empfohlen:
- 1 Glasslide, mittlere Wandstärke.
- 1 Chromslide, dünne Wandstärke
- 1 Messingslide, dicke Wandstärke
Eine große Auswahl an Bottlenecks bietet Jim Dunlop. Einsteiger
sollten drauf achten, daß die ersten Bottlenecks ca. Griffbrettbreite
als Gesamtlänge haben. Es gibt auch kürzere Slides, jedoch
spielt es sich mit denen im Regelfall komplizierter (da fast ausschießlich
für Singlenote Spiel geeignet).
Auf welchen Finger?
So wie es beim Material des Bottlenecks kein wirklich "falsches"
oder "richtiges" Material gibt, so gibt es auch keinen
"richtigen" Finger, auf denen man den Bottleneck steckt.
Probieren geht über studieren. Die meisten Slider haben den
Bottleneck entweder auf dem Ringfinger oder dem kleinen Finger (es
gab aber auch einen Gitarristen die einen sechsten Finger zur Verfügung
hatte).
Durchmesser des Bottlenecks
Viele Einsteiger machen sich das Leben unnötig schwer, indem
sie ihren ersten Bottleneck entweder zu groß oder zu klein
wählen. Ist der Durchmesser zu klein, hat der Finger keine
Chance die natürliche "Griffkrümmung" der Hand
nachzuvollziehen. Das Handgelenk muß extrem angewinkelt werden
um den Bottleneck paralel zu den Saiten zu plazieren. Ist der Durchmesser
widerum zu groß, fliegt das Teil einem bei der geringsten
Bewegung vom Finger. Ein einfacher Check, was der persönliche
Idealdurchmesser ist, kann folgendermaßen aussehen: Gitarre
in normaler Spielhaltung, Bottleneck auf den Finger ziehen, mit
den verbleibenden Fingern einen Akkord greifen. Der kleine (oder
Ringfinger ... je nach persönlichem Gusto) Finger sollte sich
nun im Bottleneck noch leicht krümmen können. Durch diese
Krümmung steckt der Bottleneck nun stabil auf dem Finger, außerdem
kommt's so nicht zu Verspannungen und Krämpfen in der Hand.
Gitarre? Saiten?
Generell läßt sich auf allem sliden, was Saiten hat
und annähernd wie eine Gitarre ausschaut (selbst slidende Bassisten
sind schon gesichtet worden). Gitarren mit Nylonsaiten eignen sich
allerdings weniger. Eine einfach Faustregel sagt: Proportional zum
Saitendurchmesser erhöht sich der Slidespaß. Wer auf
seiner E-Gitarre normalerweise 009'er Sätze spielt, sollte
die ersten Gehversuche mit dem Slide mit einem 010'er Satz Saiten
probieren. Besser ist sogar ein 011'er Satz. Wer eh 010'er Sätze
spielt, kann sich auch gleich an 012'er oder 013'er probieren. Einige
japanische Rennreisbretter mit Freud-Los Tremolo haben so dünne
Hälse, das sich das wechseln von 009'er zu 011'er Sätzen
fatal auswirkt. Ein Standard Strat- oder Les Paul Hals (oder ähnliche)
macht das aber problemlos mit. Eventuell muß der Halsstab
etwas nachgezogen werden, da sich die Saitenspannung bei dickeren
Saiten erhöht.
Akustik Gitarristen spielen ja meist von Haus aus dickere Saitensätze.
Als Minimum sei ein 013'er Medium Satz empfohlen.
Zum Experimentieren eignen sich besonders gut Billigklampfen. Viele
haben sicher noch ihre erste Einsteigergitarre rumstehen, mit der
sich allerlei "Unfug" anstellen läßt. Wer ausserdem
seine Rennaxt nicht zum sliden mißbrauchen möchte (oder
kann, weil die Saitenlage unter den Bünden verläuft),
kann sich seine Billiggeige mit wenigen Handgriffen zur Slidegitarre
umbauen: Dicke Drähte drauf, Saitenlage etwas höher legen
(man muß zwar keine Kuhherde unter den Saiten durchjagen können,
aber helfen tut's schon ;-)) und schon kann's losgehen ...
Open Tuning oder Standardstimmung?
Es muß nicht zwangsläufig immer Open Tunig sein, wenn
man sliden möchte. Ich persönlich finde jedoch, das es
den Spaßfaktor beim sliden erheblich erhöht. Für
gelegentliche Singlenote Ausflüge mit dem Slide reicht natürlich
das Standardtuning.
Open Tunings sind im Regelfall Stimmungen, die auf den Leersaiten
einen Akkord beinhalten.
Zum Bespiel:
Standard Tuning (von hoch zu tief): e h g D A
E
Open E Tuning: e h #g E H E
Alle Leersaiten des Open E zusammen angeschlagen ergeben einen
E Akkord. Außerdem können wir Slidegitarristen so endlich
mit jedem Bassisten mithalten. Schließlich haben wir jetzt
nur noch 3 unterschiedlich gestimmte Saiten zu "verwalten"
(auch wenn so manch Bassist jetzt grinst ... es sind zwar nur 3
unterschiedliche Töne (e h #g), aber das #g qualifiziert uns
schon fast zu Jazzern :-)) [Ich
denke mal drüber nach, bO²gie ... d.S.]
Wer sich mit dem Thema Open Tuning näher beschäftigen
möchte, der schaue einfach mal auf die Webseiten von Kay-Uwe
Graw (www.egd.igd.fhg.de/~kugraw).
Hier findet man viele Tabulaturen und Hilfreiches zum Thema Opentuning.
Weitere Links findet ihr auch auf meiner Slidetone's Slidezone Linkseite
(www.slidetone.de/slidezone).
First Steps/Slides
Passenden Bottleneck gefunden und die Gitarre neu bedrahtet? Dann
kann's ja losgehen.
Das Open E Tuning habe ich ja weiter oben schon mal erwähnt.
Es eignet sich ideal für "denkfaule" Gitarristen
(und zu denen gehör' ich nun mal). Neben dem Open G und dem
Open D Tuning ist Open E sicher eins der populärsten Open Tunings.
Das Umstimmen ist denkbar einfach: Die tiefe E Saite, als auch
die hohe h und e Saite bleiben wie sie sind. Als erstes stimmt man
die D Saite um einen Ton höher, auf's E. Tiefe E Saite anschlagen,
D-Saite anschlagen und dann die D-Saite vorsichtig hochstimmen.
Dann Flageolett 5. Bund A Saite zu Flageolett 7. Bund ex D-Saite
(jetzt E). Die A-Saite wird so zu H hochgestimmt. Jetzt noch die
g-Saite einen halben Ton höher (ex D-jetzt E Saite im 4. Bund
greifen und die g-Saite danach stimmen). Fertig ;-))
Wer, wie ich, ein Freund des "Spielen nach Kästchen"-Prinzips
ist, wird sich ohne größere Probleme mit dem Open E anfreunden.
Alle Saiten leer angeschlagen gleich E Akkord, ein Finger quer über
den 5. Bund ("5. Kästchen") ein A Akkord und 7. Kästchen
ein H Akkord ... fertig ist der "Kästchen-Blues".
Nimmt man jetzt noch einen Finger zur Hilfe um abwechselnd die tiefe
H (ex A) Saite mal leer, mal im 2 Bund abzugreifen (bzw im 5. Kästchen
1 Finger Akkord das 7 Kästchen auf der H Saite... usw....)
hat man schon einen "Kästchen Boogie". Und wenn man
jetzt "willenlos" zwischendurch mal den Bottleneck auf's
5., 7. oder 12 Kästchen setzt, klingt's schon voll nach Baumwollfeld
;-))
Zwei Dinge seien vielleicht noch zu beachten: Sliden heißt
gleiten... der Bottleneck wird nicht fest auf die Saite gepresst,
sondern nur leicht aufgelegt. Im Gegensatz zum normalen Greifen
(wo man mit dem Finger knapp vor dem gewünschten Bund runterdrückt)
befindet sich der gesuchte Ton direkt über dem Bund. Der Bund
wird quasi durch den Bottleneck ersetzt.
Anfangs rappelts und dengelt es oft gewaltig, wenn man mit dem
Bottleneck übers Griffbrett schrubbt. Meist liegt's daran,
das der Bottleneck zu fest auf's Griffbrett gedrückt wird,
oder zu sanft ... dann rasseln die Saiten unter'm Bottleneck rum.
Oft hilft es schon, wenn man hinter dem Bottleneck mit der Greifhand
leicht die Saiten dämpft (z.B. Zeigefinger immer auf den Saiten
sanft auflegen, wenn man slidet..). Manchmal ist das Rasseln und
Dengeln aber auch ganz charmant. Einfach Try'n'Error Prinzip anwenden
und schauen was einem am besten liegt.
CD Tips
Wer glaubt, das Bottlnecker nur das Bluesfeld beackern, dem sei
zB. Chris Whitley mal zum reinhören empfohlen: "Living
with the Law" (mit Band) oder seine Solo Scheibe "Dirt
Floor". Sicher wird auch auf seiner kommenden Solo Live Scheibe
("At Marty's" VÖ Februar 2000) viel leckeres Geslide
zu hören sein. Mehr Infos bei www.ulftone.de
Wer auf einer Blues-CD unterschiedlichste Slider hören möchte,
dem sei "Come on in this house" von Junior Wells empfohlen.
Für seine letzten Aufnahmen versammelte Junior Wells Corey
Harris, Alvin "Youngblood" Hart, Sonny Landreth, Bob Margolin,
John Mooney und den damals erst 16jährigen Derek Trucks um
sich. Die CD ist 1996 bei TELARC erschien.
Wer es rauh, akustisch und im Stil des großartigen Son House
mag, dem sei ganz besonders die John Mooney Live CD "Dealin
with the Devil" ans Herz gelegt. Dieses von Radio Bremen mitgeschnittene
Konzert ist ein absoluter Slidehammer.
Quelle: ©GuitarDome 2000 / www.slidetone.net
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