| Fazit: |
Hm, immer noch auf der Suche nach dem richtigen Effektgerät. Wobei mich immer noch wundert, warum der Trace Elliot mit meinem SX-700 Rack-Multi so gut zurecht kam, der SWR aber mit ihm in der FX-Loop tatsächlich an Druck und Definition verliert. Seltsame Sache. Zurück zum ME-50B, dem nächsten Versuch.
Was nun an Effekten drin ist, kann man besser im Manual nachlesen, das man bei Roland herunter laden kann. Auf jeden Fall alles und mehr, was ich brauche, und noch Einiges dazu. Im Kurzabriss: Compressoren, Octaver, Synth, Sound-Shapes, vom Overdrive- bis Metal-Verzerrer, Chorus und Kollegen Reverb/Delay, Wah/Resonance und ein Expression-Pedal dazu. Plus parametrischer 3-Band-EQ. Was ich hauptsächlich wollte, war ein vernünftiger Chorus, ein wenig Reverb und etwas Overdrive. Und das ist alles drin.
Auf den ersten Blick sieht das ME-50B für ein aktuelles Gerät etwas seltsam aus, sind doch nur einige wenige offensichtliche Digital-Bedienelemente zu finden, dafür aber um so mehr Knöppkes. Was am Anfang zu wenig erscheint, ist jedoch letzten Endes ein Vorteil. Jede Sektion hat nämlich nur einen Wahlschalter für die Effekt-Version (z.B. Natural, Overdrive, Metal etc.) und maximal drei Parameter, die über Regler beeinflusst werden. Bei Kombinations-Effekten wie Chorus+Reverb ist der Chorus sogar fix und nur Reverb kann beeinflusst werden. Da aber die Effekte und die Parameter wirklich praxisgerecht sind, kommt einem diese Beschränkung eher entgegen, verliert man sich doch nicht ein einem Dschungel an Parametern und Stellmöglichkeiten. Patches speichern kann man in 8 Bänken a 3 Patches. Da ist dann auch alles drin, inklusive Noise Gate-Position und Master-Level. Und wie das Expression-Pedal zugewiesen ist. Am Ende ist nämlich das Gerät doch nicht so unkomplex wie es zuerst scheint.
Die Mechanik ist aus Metall, sogar des Expression-Pedal macht einen sehr stabilen Eindruck. Buchsen sind aus Metall und verschraubt, auch die Potis wirken vertrauenserweckend. Das ist halt BOSS-Qualität. Nun zu den Details.
Im Vergleich zu vielen anderen Multis, die ich bisher getestet habe, ist das ME-50B recht rauscharm und still. Ausnahmen sind natürlich die Overdrives, und auch wundersamer Weise die Kompressoren (nicht einer, sondern mehrere gemodelt). Da ich letzteren als Rack-Version habe, brauche ich die Compressor-Sektion aber nicht. Stark rauschen tun nur die Metal-Verzerrer, die 'kleinen' Verzerrer halten sich eher mit Rauschen zurück. Die Effekte sind durchweg anständig. Und: das ME-50B lässt den Druck in den tiefen Registern bleiben, es klingt satt und definiert, der Sound wird nicht vermatscht. Das war auch der Punkt, der mich eben überzeugt hat, das Teil zu behalten. Viele Effekte wie Synth, Metal-Fuzz oder Resonance brauche ich nicht, die Standards wie 'Bass Boost + Natural + Chorus' oder 'Overdrive + Bass Boost' bringen einen fetten, satten Sound, der gut trägt, Band-dienlich klingt und nicht so synthetisch klingt wie andere Effektpedale. Auch die EQ-Sektion ist gelungen geraten und arbeitet genau auf die Bass-spezifischen Frequenzen.
Empfehlen würde ich beim Erstellen eigener Patches einen deutlichen Zettel, welche Sounds und Effekte man auf welche Positionen gelegt hat. Denn nur mit den Anzeigen für Bank und Patch verliert man schnell die Übersicht, welchen Sound man denn wo gelassen hat. Auch das Editieren ist gegentlich etwas hakelig, weil die Knöppe ja beim Einschalten des Edit-Modus irgendwo stehen, aber nicht so, wie man den Patch abgespeichert hat. Dann muss man erst einmal wissen, was denn in dem aktuellen Patch aktiviert war und erst mal den einen oder anderen Regler hoch und runter drehen. Ich denke aber, dass, wenn man erst seine passenden Patches gefunden hat, nur Nuancen verändert. Wenigstens bei mir ist es so, dass ich im Moment höchstens noch mal Pegel anpasse und den Sub-Octaver etwas zurück nehme.
In Summe:
- Anständige Effekte, guter Sound. Der Chorus könnte ein wenig tiefer sein, ist aber ok.
- Einer der besten und schnellsten Oktaver in dieser Klasse. Nicht sooooo schnell wie der EBS, aber wirklich akzeptabel.
- Zuverlässige Mechanik.
- Außer bei einigen Fuzz-Versionen geringes Rauschen, kein Druck-Verlust.
- Übersichtliche Bedienung, weniger ist manchmal tatsächlich mehr. Man braucht höchstens für einige Spezial-Funktionen wie Sound-Hold das Manual.
- Wenige Speicher-Bedienelemente, aber es ist doch alles da, was man braucht.
Zu den Mankos:
- Mit den Fußtastern kann man zwar zwischen den drei Patches einer Bank umschalten, jedoch nicht die Banks selbst. Dazu braucht man einen oder zwei externe Fußtaster, die von BOSS oder auch Nobels 40 bis 60€ kosten. Allerdings kann man das auch selbst bauen, hat mich 15€ gekostet.
- Warum man sich das Netzteil spart, verstehe ich nicht ganz. Auf die 10€ wäre es doch wohl nicht angekommen. Stattdessen liegen Batterien bei, die aber nicht lange halten.
- Ein oder zwei Overdrive-Effekte haben ein Funkel-Rauschen! Als wenn beim Modeln dieser Effekte kaputte Transistoren ihre Spuren hinterlassen hätten, denn Funkel-Rauschen ist digitalen Prozessoren sonst fremd.
- Kein MIDI. Sind also die Patches weg, sind sie halt weg. Und Patches kann man eben nur mit den in Summe fünf Fußtastern umschalten (da ich selten mehr als 6 oder 8 Patches brauche, stört mich das weniger).
Obwohl die Minus-Liste hier länger ist, ist mein Gesamteindruck vom ME-50B gut und ich habe das Gerät nicht zu Thomann zurück geschickt. Denn was mich überzeugt hat, ist der Sound, die geringen Nebengeräusche und die im Grunde einfache Bedienung, so lange man diszipliniert genug ist sich seine speziellen Patches aufzuschreiben. Könnte sein, dass ich meinen Kandidaten gefunden habe. Und das SX-700 ist jetzt da, wo es hingehört: im AUX-1 des Pultes in der PA. Da klingt es traumhaft. |