Fender Jazz Bass (Mexico, 1996)
Reviewer: Rainer Böttchers
Website: http://www.fender.com/
Typ: Elektrisch Magnet-PUs (4saitig)
Preis: ca. 800,-- DM (Neu)
Korpus: Esche zweiteilig
Hardware: Standard Fender, wie US JB
Hals: Ahorn, 34"
Griffbrett: Rosewood
Bundierung: 19 small sized frets, mittelgut abgerundet
Pickups: ersetzt durch Bartolini 9S (passiv)
Elektronik: Standard JB-Schaltung (passiv)
Fazit:

Dieses Teil, heute mit einem Turquois-Schlagbrett, ist mein Hauptinstrument seit 1994. Im Wettbewerb mit einem Ibanez-Bass gewann er damals im Musik-Geschäft das Rennen, weil er einfach ein Fender war, und auch, weil mir die Halsmaße und das Spielgefühl auf Anhieb zusagten.

Mechanik: Fender Mexico verbaut die unterschiedlichsten Holzarten für den Korpus. In diesem Falle hatte ich Glück und erwische einen Erle-Korpus, Hals-Material ist Ahorn, Palisander-Griffbrett. Vom damaligen Bass ist heute eigentlich nur noch das Holz original. Die Fender-Vintage-Tuner mussten Schaller-Versionen weichen, die Pickups sind nun Bartolini 9S, die Bridge ist eine Schaller 3D4 (mit der ich nie irgendwelche Probleme hatte, so viel zu den Legenden, die herum gehen). Die Potis mit 250kOhm sind nun zu 500kOhm-Potis mutiert. Als letztes mit einem Knochensattel ausgestattet und von einem Gitarrenbauer auf optimale Bundhöhen beschliffen, ist das Instrument für meinen Zweck das Nonplusultra in Spielgefühl, Sound und Handhabung. Es gibt nur einen einzigen Deadspot auf der G-Saite, nämlich im 7. Bund. Nicht ganz unerklärlich ist dieser Deadspot nach Sattel- und Tuner-Tausch schwächer geworden und fällt kaum auf.

Elektrik: Rein passiver Jazz Bass. Zwei Singlecoils von Bartolini, zwei Volumenregler, eine Tonblende.

Sound: Die Bartolinis sind moderne Jazz Bass-Pickups, mit eher hellem Sound und betonten Hochmitten. Der Hals-Pickup eher weich und warm, der Bridge-Pickup eher knurrig und trocken. Mischung der beiden liefert zusammen mit der Höhenblende vom weichen kuscheligen Bass-Gebrummel bis zum knurrigen Jaco-Sound alles, was ein Jazz Bass braucht. Die Holzqualität ist insgesamt nicht schlecht, jedenfalls ist Sustain und Ansprache mehr als zufrieden stellend. Hat aber auch etwas mit meinen Umbau-Maßnahmen zu tun. Am meisten haben Steg- und Satteltausch gebracht, letzterer für das Sustain.

Handhabung: Was Yamaha schon immer konnte, muss Fender immer noch lernen: gute Bundbearbeitung. Erst nach Aufenthalt bei einem Gitarrenbauer im Ruhrgebiet waren die Bünde egalisiert und gut bearbeitet. Die investierten 170,-- DM brachten eine sehr niedrige Saitenlage und eine bessere Tonansprache. Mit 4.8kg hängt das Teil recht derbe am Gurt, und nach vier Stunden Probe zieht es auch schon im Kreuz. Ein Jazz Bass braucht wohl immer einen breiten und weichen Gurt. Dafür ist er aber auch das ideale Instrument für schnelles Spiel, kleine Eskapaden, ohne für Balladiges oder Blues zu funky zu sein, dank des schmalen und flachen Halses. Dafür braucht der Bass aber auch Umstellungen der Halsspannung zwischen Sommer und Winter.

Unergonomisch ist er mit seinen Body-Shapings und der ausgewogenen Balance am Gurt jedoch nicht.

Der Fender MIM Jazz Bass ist einfach ein gesundes Arbeitsgerät, robust, im Sound variabel und erschwinglich. Wegen seiner Standards bietet er genug Verbesserungsmöglichkeiten in Hardware und Elektrik. Und ich habe ihn einfach gern in der Hand, liebe seinen Sound und seine Optik. Mein Yamaha BEX4C ist sicher qualitativ besser, die Variabilität und die Universalität des Jazz Bass hat er aber nicht. Und ich würde ihn auch nie gegen eine USA-Variante tauschen, trotz seiner leichten Macken.

Bewertung:
Bespielbarkeit: 9 / 10
Sound: 9 / 10
Optik: 8 / 10
Preis/Leistung: 9 / 10

GESAMT: 9 / 10
 
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