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E-Pro / John East J-Retro 01 JB-Preamp (UK, 2004)
Reviewer: Adrian Schmidtke
Website: http://www.j-retro.co.uk/technical.htm
Typ: On-Board Preamp für Jazz Bässe
Preis: 250 Euro (Neu)
Specials: Passt ohne Fräsen in jeden Jazzbass.
Fazit:

Was tut man, wenn man einen Fender Jazzbass hat, das Handling und den Sound liebt und doch irgend wann gerne einen etwas moderneren, druckvolleren, vielseitigeren Ton möchte? Entweder man kauft sich eine komplizierte Aktiv-Elektronik (Sadwosky, Aguilar o.ä.) und baut diese, wenn man kann, in sein Instrument oder man probiert mit externen Preamps herum oder aber man besorgt sich den J-Retro 01 Preamp. Denn dann hat man sozusagen drei Fliegen mit einer Klappe gefangen: man hat einen großen Ton, muss nichts am Instrument verändern und kann alles wieder spurlos beseitigen.


Das wird sich auch John East, der Erfinder des J-Retro gedacht habe. Und mit den letzten beiden Punkten ist bereits der sicherlich größte Vorteil dieses Preamps angesprochen. Er wird fertig verdrahtet auf einem typische Jazzbass-Kontrollblech geliefert. Alles, was man tun muss, ist das Verfertigen von fünf kleinen Lötstellen und das Anklemmen einer 9V-Blockbatterie. Dann friemelt man das ganze in das ohnehin schon kleine JB-Elektronikfach und los geht's....

Der J-Retro verfügt über drei Stacked-Potis (also Doppelpotis) und zwei Kippschalter. Der erste Poti besteht aus einem Mastervolume und einem Panoramaregler. Der zweite Doppelpoti beinhaltet Bässe ( 15db/50Hz) und Höhen ( 12db/3kHz, -12db/1kHz), der dritte den Frequenzgang der Mittenparametrik (150Hz-3kHz) und die dazugehörige Regelung ( /-12dB). Den Poti für die Höhenregelung kann man zudem herausziehen und dadurch den Regelpunkt anheben ( 8db/7kHZ). Der eine Kippschalter schaltet die Pickups seriell bzw. die PU-Blende ein. Der andere dient dem An- und Abschalten des Preamps; im zweiten Fall läuft das Instrument passiv.

Zur Praxis des Einbaus: Es ist eine ziemlich Fummelei und man sollte einigermaßen Löten können, sonst sollte man es lieber lassen und den Einbau einem Fachmann überlassen. Die vier kleinen Metallzungen, an die die Pickupdrähte angelötet werden müssen, sind extrem schmal und klein. Kleine Schrumpfschläuche über jeden Kontakt sind empfehlenswert um Kurzschlüsse zu vermeiden. Es kostet dann auch noch ein wenig Geduld, um die Elektronik samt der Kabel und der Batterie so einzusetzen, dass nichts drückt, knickt und klemmt. Wenn man das alles geschafft hat, wird man allerdings mit einer echten Aufwertung des Instruments belohnt.

Der Sound: Groß und fett. Und vielseitig. Und das unglaublichste: Wer schrille Höhen und schwammige Bässe erwartet hat, liegt völlig falsch. Das Teil klingt schon dann richtig gut, wenn man alle Regler auf Mittenpostiton stellt. Die Pickupblende macht richtig Sinn. Wenn man - wie ich - gerne etwas mehr Stegpickup hat, kann man das mit dem J-Retro bekommen - ohne dass man auf Druck verzichten muss! Durch die Mittenparamterik erhält man zudem die Möglichkeit, den Sound der Spielweise exakt anzupassen, z.B. eine kleine Absenkung bei 800-1000Hz beim Slappen oder eine kleine Anhebung bei 400Hz für näselige Mitten oder ein kleiner Push bei 1,1 kHz für extrem gute Hörbarkeit auch unter matschigen Soundbedingungen. Mit dem Höhenpoti lässt sich zudem eine ganz Jazzbass-untypische, kristallklare Brillianz erzeugen, die ich niemals erwartet hätte.

Ein paar subjektive kritische Anmerkungen müssen allerdings gemacht werden. Zum einen ist der J-Retro gewöhnungsbedürftig in der Handhabung, da man plötzlich doppelt so viele Regler auf dem gleichen, beengten Raum hat. Alles auf "voll" ist nicht mehr, sonst kann man sich gleich ein neues paar Boxen besorgen - insbesondere die Bassregelung ist echt gefährlich. Die Mittenregelung ist enorm vielseitig aber leider recht unübersichtlich. Der Bereich, der mich persönlich interessiert, liegt zwischen 300 und 900 Hz - das entspricht auf dem Regelweg des Potis gerade mal einem Zentimeter. Alles darüber - also knapp 4/5 des Regelweges - sind für mich persönlich verzichtbar. Andererseits werden viel Bassisten gerade diese Wahlfreiheit im Mittenberich lieben. Einen wirklichen Nachteil hat das Teil allerdings: der Unterscheid zwischen passivem und aktivem Betrieb ist enorm und aufgrund der komplizierten Schaltung geht im passiven Betrieb sehr viel vom ursprünglichen Jazzbass-Signal verloren. Dieses Manko kann man mittles zweier Trimpotis im Inneren zwar etwas ausgleichen, dennoch darf man keinen vollwertigen passiven Sound mehr erwarten, zumal die Klangregelung im passiven Modus, zumindest bei diesem Modell, nicht mehr funktioniert und man lediglich mit dem vorderen Schalter zwischen Stegpickup und beiden Pickups in Serie hin- und herschalten kann. Wenn man den Passiv-Modus als Rettung für den unangenehmen Fall einer sich auf der Bühne verabschiedenden Batterie betrachtet, kann man mit ihm aber gut leben. Gäbe es ihn nicht, hätte man ein echtes Problem, denn schnelle Batteriewechsel zwischen zwei Stücken sind ausgeschlossen. Zum Glück ist man auch bei wirklich häufigem Einsatz mit einem Batteriewechsel alle sechs Monate auf der absolut sicheren Seite, der Stromverbrauch ist minimal.

Trotz dieser beiden kleinen Einschränkungen möchte ich persönlich dieses Teil nicht mehr missen, den der Ton ist einfach großartig. Der Ton meines fünfsatigen Fender Jazz ist ungleich druckvoller, die Höhen sind sehr angenehm (gerade beim Slappen) und zudem bieten mir Pickupblende und die Mittenparametrik vielfältigste, schnell abrufbare Soundvariationen. Trotzdem - und das ist das eigentlich verblüffende - klingt\'s immer irgend wie nach Jazzbass, so verrückt das auch klingen mag. Ich bin froh, dass ich dieses Teile gefunden habe.

Erhältlich bei Hot Wire (http://www.hotwire-bass.de). Zudem betreibt John East ein sehr gut funktionierendes Forum (http://pub41.ezboard.com/fthedudepitfrm2) und steht persönlich mit Rat und Tat zur Seite, sollten einmal Probleme auftreten.

Bewertung:
Stabilität/Zuverlässigkeit: 10 / 10
Nutzen: 10 / 10
Features: 7 / 10
Preis/Leistung: 10 / 10

GESAMT: 9 / 10
 
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