| Fazit: |

Was tut man, wenn man einen Fender Jazzbass hat, das Handling
und den Sound liebt und doch irgend wann gerne einen etwas moderneren,
druckvolleren, vielseitigeren Ton möchte? Entweder man kauft sich
eine komplizierte Aktiv-Elektronik (Sadwosky, Aguilar o.ä.) und
baut diese, wenn man kann, in sein Instrument oder man probiert
mit externen Preamps herum oder aber man besorgt sich den J-Retro
01 Preamp. Denn dann hat man sozusagen drei Fliegen mit einer
Klappe gefangen: man hat einen großen Ton, muss nichts am Instrument
verändern und kann alles wieder spurlos beseitigen.
Das wird sich auch John East, der Erfinder des J-Retro gedacht
habe. Und mit den letzten beiden Punkten ist bereits der sicherlich
größte Vorteil dieses Preamps angesprochen. Er wird fertig verdrahtet
auf einem typische Jazzbass-Kontrollblech geliefert. Alles, was
man tun muss, ist das Verfertigen von fünf kleinen Lötstellen
und das Anklemmen einer 9V-Blockbatterie. Dann friemelt man das
ganze in das ohnehin schon kleine JB-Elektronikfach und los geht's....
Der J-Retro verfügt über drei Stacked-Potis (also Doppelpotis)
und zwei Kippschalter. Der erste Poti besteht aus einem Mastervolume
und einem Panoramaregler. Der zweite Doppelpoti beinhaltet Bässe
( 15db/50Hz) und Höhen ( 12db/3kHz, -12db/1kHz), der dritte den
Frequenzgang der Mittenparametrik (150Hz-3kHz) und die dazugehörige
Regelung ( /-12dB). Den Poti für die Höhenregelung kann man zudem
herausziehen und dadurch den Regelpunkt anheben ( 8db/7kHZ). Der
eine Kippschalter schaltet die Pickups seriell bzw. die PU-Blende
ein. Der andere dient dem An- und Abschalten des Preamps; im zweiten
Fall läuft das Instrument passiv.
Zur Praxis des Einbaus: Es ist eine ziemlich Fummelei und man
sollte einigermaßen Löten können, sonst sollte man es lieber lassen
und den Einbau einem Fachmann überlassen. Die vier kleinen Metallzungen,
an die die Pickupdrähte angelötet werden müssen, sind extrem schmal
und klein. Kleine Schrumpfschläuche über jeden Kontakt sind empfehlenswert
um Kurzschlüsse zu vermeiden. Es kostet dann auch noch ein wenig
Geduld, um die Elektronik samt der Kabel und der Batterie so einzusetzen,
dass nichts drückt, knickt und klemmt. Wenn man das alles geschafft
hat, wird man allerdings mit einer echten Aufwertung des Instruments
belohnt.
Der Sound: Groß und fett. Und vielseitig. Und das unglaublichste:
Wer schrille Höhen und schwammige Bässe erwartet hat, liegt völlig
falsch. Das Teil klingt schon dann richtig gut, wenn man alle
Regler auf Mittenpostiton stellt. Die Pickupblende macht richtig
Sinn. Wenn man - wie ich - gerne etwas mehr Stegpickup hat, kann
man das mit dem J-Retro bekommen - ohne dass man auf Druck verzichten
muss! Durch die Mittenparamterik erhält man zudem die Möglichkeit,
den Sound der Spielweise exakt anzupassen, z.B. eine kleine Absenkung
bei 800-1000Hz beim Slappen oder eine kleine Anhebung bei 400Hz
für näselige Mitten oder ein kleiner Push bei 1,1 kHz für extrem
gute Hörbarkeit auch unter matschigen Soundbedingungen. Mit dem
Höhenpoti lässt sich zudem eine ganz Jazzbass-untypische, kristallklare
Brillianz erzeugen, die ich niemals erwartet hätte.
Ein paar subjektive kritische Anmerkungen müssen allerdings gemacht
werden. Zum einen ist der J-Retro gewöhnungsbedürftig in der Handhabung,
da man plötzlich doppelt so viele Regler auf dem gleichen, beengten
Raum hat. Alles auf "voll" ist nicht mehr, sonst kann man sich
gleich ein neues paar Boxen besorgen - insbesondere die Bassregelung
ist echt gefährlich. Die Mittenregelung ist enorm vielseitig aber
leider recht unübersichtlich. Der Bereich, der mich persönlich
interessiert, liegt zwischen 300 und 900 Hz - das entspricht auf
dem Regelweg des Potis gerade mal einem Zentimeter. Alles darüber
- also knapp 4/5 des Regelweges - sind für mich persönlich verzichtbar.
Andererseits werden viel Bassisten gerade diese Wahlfreiheit im
Mittenberich lieben. Einen wirklichen Nachteil hat das Teil allerdings:
der Unterscheid zwischen passivem und aktivem Betrieb ist enorm
und aufgrund der komplizierten Schaltung geht im passiven Betrieb
sehr viel vom ursprünglichen Jazzbass-Signal verloren. Dieses
Manko kann man mittles zweier Trimpotis im Inneren zwar etwas
ausgleichen, dennoch darf man keinen vollwertigen passiven Sound
mehr erwarten, zumal die Klangregelung im passiven Modus, zumindest
bei diesem Modell, nicht mehr funktioniert und man lediglich mit
dem vorderen Schalter zwischen Stegpickup und beiden Pickups in
Serie hin- und herschalten kann. Wenn man den Passiv-Modus als
Rettung für den unangenehmen Fall einer sich auf der Bühne verabschiedenden
Batterie betrachtet, kann man mit ihm aber gut leben. Gäbe es
ihn nicht, hätte man ein echtes Problem, denn schnelle Batteriewechsel
zwischen zwei Stücken sind ausgeschlossen. Zum Glück ist man auch
bei wirklich häufigem Einsatz mit einem Batteriewechsel alle sechs
Monate auf der absolut sicheren Seite, der Stromverbrauch ist
minimal.
Trotz dieser beiden kleinen Einschränkungen möchte ich persönlich
dieses Teil nicht mehr missen, den der Ton ist einfach großartig.
Der Ton meines fünfsatigen Fender Jazz ist ungleich druckvoller,
die Höhen sind sehr angenehm (gerade beim Slappen) und zudem bieten
mir Pickupblende und die Mittenparametrik vielfältigste, schnell
abrufbare Soundvariationen. Trotzdem - und das ist das eigentlich
verblüffende - klingt\'s immer irgend wie nach Jazzbass, so verrückt
das auch klingen mag. Ich bin froh, dass ich dieses Teile gefunden
habe.
Erhältlich bei Hot Wire (http://www.hotwire-bass.de). Zudem betreibt
John East ein sehr gut funktionierendes Forum (http://pub41.ezboard.com/fthedudepitfrm2)
und steht persönlich mit Rat und Tat zur Seite, sollten einmal
Probleme auftreten.
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