The Adam Nitti Collection


Adam Nitti arbeitet als Bass-Lehrer am Atlanta Institute of Music. Ich habe seinen folgenden Text übersetzt und mit Adam's freundlicher Genehmigung hier verwendet. Weitere Infos zu Adam, seinen musikalischen Aktivitäten und weitere Artikel in Englisch auf seiner Homepage (www.adamnitti.com).  

Making Patterns Musical (Part I)

von Adam Nitti

[Ich habe mich nicht getraut, diesen
wunderschönen Titel einzudeutschen.
der Sätzer]


Dieser aktuelle Beitrag aus meiner Serie "Tiefere Einsichten" soll Euch die Möglichkeit bieten, ein mehr melodie- orientierter Musiker zu werden, und das einfach dadurch, dass Ihr die gewohnten Arten des Tonleiter-Übens etwas abwandelt.

Früher oder später ist jeder von uns mit den Tonleitern und ihren Fingersätzen konfrontiert worden. Für wohl die meisten war es zuerst die Dur-Tonleiter, die wir auf dem Bass gelernt haben. Also mal zwei mögliche Fingersätze dazu:

Major pattern

Und so sieht diese einoktavige C-Dur-Leiter in Notation aus, aufsteigend und absteigend:

garn4_2.gif (17338 bytes) midi

Wenn Ihr nun diese C-Dur-Leiter spielt, so wie sie nach den Noten erscheint, werdet Ihr feststellen, dass die Noten stramm, ordentlich und schrittartig aufeinanderfolgen. Klingt genau wie eine Tonleiter-Übung, nicht wahr? Soll es auch. Denn jede Tonleiter, aufsteigend und absteigend gespielt, klingt von Natur aus sehr technisch. In anderen Worten: eine Tonleiter ist wie ein Alphabet. Es sind Basisbestandteile, die aber dann, miteinander in unterschiedlichster Weise kombiniert, Wörter und ganze Ausdrücke ergeben. Jede Note einer Tonleiter ist wie ein Buchstabe aus einem Alphabet. Und ohne die Tonleitern könnten wir nicht sinnvoll musikalisch kommunizieren. Und auch sonst ist es so, je grösser unser Wortschatz ist, desto genauer und besser können wir uns mitteilen. Die Musiker mit dem umfassensten Vokabular sind die einzigartigen und eingängigsten. Sie sind die, die ihren ganz eigenen Stil entwickelt haben, ihre Sprache, ihre Art zu formulieren. Und nach all diesen Vorreden muss natürlich die Frage auftauchen:

Wie kann ich Leitern und Leiter-Muster in einer Linie
verwenden, ohne dass es wie eine Fingerübung klingt???

Für die meisten unter uns gilt: wie wir üben, so spielen wir auch im Echteinsatz. Wenn wir zuhause durchgängig Tonleitern üben, aufsteigend, absteigend wie oben gezeigt, bleiben wir auch in unserem sonstigen Spiel bei dieser gewohnten übungsmässigen Spielweise. Unsere Hände folgen beinahe natürlich der Abfolge von Noten, die dem Publikum die Worte 'Leiter-Übungen' entgegenschreien! Um daraus auszubrechen, müssen wir unsere Hände und unseren Geist dazu bringen, Dinge zu tun, die sie eben so nicht gewohnt sind. Indem wir unsere Skalenübungen in einer kreativeren und universelleren Weise angehen, vergrössern wir auch unser musikalisches Vokabular und werden spontaner ... und um dies zu entwickeln, müssen wir (Ihr habt es Euch wahrscheinlich schon gedacht) neue Muster lernen.

Jede der nun folgenden Übungen kann mit jeder Leiter und jedem Arpeggio benutzt werden. Sie sind in zwei Kategorien untergebracht: Übungen über Sequenzen, und Übungen über Intervalle. Für jede der Übungen verwenden wir einen Fingersatz mit drei Noten pro Saite, und zwar mit diesen Fingersätzen:

Major Pattern II

Wir beginnen mit diesem Muster auf dem tiefsten C auf der tiefsten Saite unseres Basses, so dass wir genur Raum für die einzelnen Muster haben. Zum Beispiel:

Für den Viersaiter: 8. Bund der E-Saite
Für den Fünfsaiter: 1. Bund der B-Saite
Für den Sechssaiter: 1. Bund der B-Saite

Sequenzen-Übungen

Eine Sequenz ist einfach eine vordefinierte Abfolge von Noten einer Leiter. Zum Beispiel für eine einoktavige Dur-Leiter repräsentieren die Zahlen 1 ... 7 die sieben Stufen der Leiter. So sähe eine aufsteigende Sequenz von Vierern so aus:

Vierer-Sequenzen: 1-2-3-4, 2-3-4-5, 3-4-5-6, 4-5-6-7, etc.

(Die Kommata trennen jede Sequenz von vier Noten, die nacheinander gespielt werden.)

Im Notensystem, auf einer C-Dur-Leiter aufbauend, sähe das Muster dann so aus:


garn4_4.gif (19139 bytes)midi

Sequentielle Methoden sind sehr melodisch und zyklisch, und ihr durchgängiger Klang resultiert aus dem geringen Abstand der Noten untereinander. Jaco Pastorius verwendete sehr konsistent sequentielle Ansätze auf pentatonischen und modalen Skalen in seinen Solos. Hier ist noch ein Besipiel, diemal mit Dreier-Sequenzen:

Dreier-Sequenzen: 1-2-3, 2-3-4, 3-4-5, 4-5-6, 5-6-7, etc.

Hier noch mal das Gleiche, wiederum in Standard-Notation auf C-Dur:


GARN4_5.gif (14548 bytes)te midi

Die Ansatz mit Sequenzen gibt uns folgende Liste an Übungen:

Sequenzart Aufsteigend
Zweier 1-2, 2-3, 3-4, 4-5, 5-6, 6-7, 7-8, 8-9, 10-11, 11-12 etc.
Dreier 1-2-3, 2-3-4, 3-4-5, 4-5-6, 5-6-7, 6-7-8, 7-8-9, 8-9-10,
9-10-11, 10-11-12 etc.
Vierer 1-2-3-4, 2-3-4-5, 3-4-5-6, 4-5-6-7, 5-6-7-8, 6-7-8-9,
7-8-9-10, 8-9-10-11, 9-10-11-12 etc.
Fünfer 1-2-3-4-5, 2-3-4-5-6, 3-4-5-6-7, 4-5-6-7-8, 5-6-7-8-9,
6-7-8-9-10, 7-8-9-10-11, 8-9-10-11-12 etc.
Sechser 1-2-3-4-5-6, 2-3-4-5-6-7, 3-4-5-6-7-8, 4-5-6-7-8-9,
5-6-7-8-9-10, 6-7-8-9-10-11, 7-8-9-10-11-12 etc.
Siebener 1-2-3-4-5-6-7, 2-3-4-5-6-7-8, 3-4-5-6-7-8-9, 4-5-6-7-8-9-10,
5-6-7-8-9-10-11, 6-7-8-9-10-11-12 etc.
Für die absteigenden Sequenzen fängt man einfach
auf der höchsten Note an und geht abwärts ...

Intervall-Übungen

Intervall-Übungen, wie der Name schon sagt, basieren auf Intervallen. Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Noten. Diese Übungen verwenden ein vorbestimmtes Intervall und wenden es für jede Note der Leiter an, in der Reihenfolge der Stufen der Leiter.

Als Beispiel hier ein aufsteigendes Muster für Terzen:

Terz-Intervalle: 1-3, 2-4, 3-5, 4-6, 5-7, etc.

(Die Kommata trennen jedes Terzintervall, das gespielt wird.)

Das nun wieder in Standard-Notation für C-Dur:
garn4_7.gif (12663 bytes)te midi

Noch einmal ein Beispiel mit Quinten:

Quint-Intervalle: 1-5, 2-6, 3-7 etc.

Und noch mal ...
garn4_8.gif (9700 bytes)te midi

Intervall-Übungen stellen einen etwas 'offeneren' Sound zur Verfügung als die Skalen-Sequenzen, dadurch, dass sie grössere Abstände zwischen den Noten verwenden. Obwohl weniger konsistent, helfen sie doch einigen musikalischen Ideen auf die Sprünge.

Und somit ergeben sich folgende Übungen:

Intervallart Aufsteigend
Sekunden wie die Zweier-Sequenzen
Terzen 1-3, 2-4, 3-5, 4-6, 5-7, 6-8, 7-9, 8-10, 9-11, 10-12 etc.
Quarten 1-4, 2-5, 3-6, 4-7, 5-8, 6-9, 7-10, 8-11, 9-12, 10-13 etc.
Quinten 1-5, 2-6, 3-7, 4-8, 5-9, 6-10, 7-11, 8-12 etc.
Sexten 1-6, 2-7, 3-8, 4-9, 5-10, 6-11, 7-12 etc.
Septimen 1-7, 2-8, 3-9, 4-10, 5-11, 6-12 etc.
Für die absteigenden Übungen fängt man auf der höchsten
Note an und geht abwärts ...


Versucht, diese Sachen in Euren Übungsablauf einzuarbeiten und Ihr werdet bestimmt auf einige nette Ideen kommen, die in der Improvisation Gestalt annehmen. Wenn Ihr die ersten Übungen gemeistert habt, könnt Ihr diese Ansätze mischen. Aus diesen hybriden Methoden, dem Mischen von Skalen, Intervallen und Sequenzen, könnt Ihr hervorragende musikalische Ideen entwickeln. Über mehr davon reden wir dann in Teil 2 dieser kleinen Serie.

Bis zum nächsten Mal, viel Spass und immer fleissig üben!!!

Übersetzt von Rainer Böttchers, Januar 1999

 
©Rainer Böttchers, 1998-2006      Impressum/Credits & Maintainer