Gary Moore
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Gary Moore ist als einer der großen Musiker von den
Britischen Inseln bekannt geworden. Seine Karriere geht bis
in die 60er-Jahre zurück, kaum eine Stilrichtung, die
er nicht beglückt hat, z.B. bei Thin Lizzy, Colosseum
II und Skid Row, um nur ein paar zu nennen. Mir ist Gary Moore
auch besonders aus seiner Zusammenarbeit mit Greg Lake, dem
Gitarristen/Bassisten von Emerson,Lake&Palmer bekannt
geworden.
Gary Moore wurde am 4. April 1952 in Belfast, Nord-Irland,
geboren. Wie viele andere wurde sein Interessen am Rock'n'Roll
durch Elvis Presley geweckt, dann gefolgt von den Beatles.
Musiker wie Jimi Hendrix und John Mayall's Bluesbreakers eröffneten
ihm Mitte der 60er die Welt des Blues. Auch beeinflusst von
solchen Persönlichkeiten wie Peter Green entwickelte
Moore schon früh seine gitarristischen Talente. In der
Tat war es Peter Green selbst, der Moore's Karriere förderte
und begleitete. Als Dank für diese Unterstützung
brachte Gary Moore 1995 sein Album 'Blues For Greeny' heraus,
als nachträglichen Dank an seinen Mentor.
Die Biographie und Discographie von Moore ist lang. Seine
WebSite ist aber sehr detailliert und informativ. So weit
ich weiß, lebt Gary Moore heute in den USA.
Mehr
Informationen ...
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Nachtrag März 2006: Wie ich gehört habe, gibt es um SGTB einen
Rechtsstreit, wer das Stück nun wirklich geschrieben hat. Ich
verweise an dieser Stelle auf die entsprechende WebSite.
Ein Dienstag-Abend im Februar 2005, nach dem Abendessen
Es klingelt an der Tür. Nach dem Öffnen derselben stehen
mir zwei Herren gegenüber, die mich irgendwie an 'Man In Black'
erinnern, nur dass sie keine futuristischen Ballermänner in
den Händen halten.
| JP: |
"Herr Böttchers? Rainer Böttchers?" |
| RB: |
"Ja, ... was kann ich für Sie tun? |
| JP: |
"Wir sind von der Bundes-Jazz-Polizei; können wir
Sie einen Moment sprechen? Wir haben nur ein paar kurze Fragen." |
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(hält mit etwas
unter die Nase, was wie eine Polizeimarke aussieht) |
| RB: |
"Aber bitte, kommen Sie doch herein." |
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Die beiden bleiben etwas
steif im Flur stehen. |
| JP: |
"Uns ist bekannt geworden, dass Sie einen
gewissen Herrn ... äh, ... (schaut
in ein Notizbuch) Gary Moore in einen Zusammenhang mit
Jazz gebracht haben. Ihnen ist bekannt, dass ein solches Vorgehen
gegen den §4 Absatz 3 des Jazz-Reinheitsgebotes verstößt?
Und dass dieser Mr. ... äh ... Moore Blues-Musiker ist?" |
| RB: |
"Öh ... ja ... öh, ... ich habe gedacht ..." |
| JP: |
"Und es ist Ihnen auch bekannt, dass solches Vorgehen Ihnen
bis zu 4 Jahre Einzelhaft in der Player's School of Music des
Kollegen Berlin einbringen kann?" |
| RB: |
"Och! WAS? Wirklich? Na dann verlängere ich den Artikel
noch schnell um ein paar Absätze!" |
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Ungläubiges Staunen seitens der Jazz-Polizei |
| JP: |
"Sie sollten mit so einer Geschichte keine
Späße treiben. Bitte überdenken Sie Ihre Haltung
noch einmal. Sollten wir auf noch so einen Artikel in Ihrer
Website stoßen, sehen wir uns gezwungen, die Sache an
die Kollegen von der Jazz-Sitte weiter zu geben. Und Sie können
sich denken, was sie dann erwartet." |
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Die Jazz-Polizei verlässt
ohne weitere Worte mein Haus. |
Fiktiv? Nicht 100%. Natürlich ist SGTB nicht dem Jazz zuzuordnen.
Jedoch schöpft das Stück eine Menge aus dem Jazz und stellt
deshalb vielleicht eine nette Verbindung zur These her, dass Jazz
nicht so exaltiert, avantgardistisch und Pop-Musik-fern ist wie
oft dargestellt. Wenden wir uns somit, quasi als kleine Entspannungspause,
Gary Moore's 'Still Got The Blues' zu. Und schauen mal, was wir
mit dem bisher Erarbeiteten an so einem Stück anfangen können.
Oder eignet sich SGTB sogar für's Realbook? Zuerst aber der
Meister selbst.
| Still Got The Blues |
Gary Moore |
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Was rückt denn nun SGTB mindestens in die Nähe des Jazz?
Und warum würde es mir die Jazz-Pozilei doch wieder übel
nehmen, wenn ich es als Jazz-verwandt bezeichnen würde? Dazu
am Anfang ein Blick auf's Chordchart, dieses in einer für
uns Bassisten sinnvollen Form (für die Ketarristen findet es
sich an dieser
Stelle). Ich habe die drei wesentlichen Teile als Intro, Refrain,
Chorus und Bridge bezeichnet. Aus diesen Elementen setzt sich das
gesamte Stück zusammen. Was uns hier interessiert, sind die
Akkord-Bewegungen, und die erinnern uns auf den ersten Blick schon
an Jazz-Standards. Schauen wir einmal auf Details, im Intro ist
die Basisfolge so zu sagen pur zu finden:
Bildet man diese Akkord-Folge in den Grundtönen
auf ein Griffbrett ab, sieht man recht schnell, was hier passiert.
Nimmt man als Tonika A-Moll an, wo die Akkordefolge auch endet,
und schreibt sich die Stufen der Akkordfolge auf, sieht man das
eigentlich einfache Strickmuster, das Moore hier anwendet.
| Stufen und -Akkorde |
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A
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i (-7) |
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B
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ii (-7b5) |
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C
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III ( 7) |
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D
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iv (-7) |
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E
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v (-7) |
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F
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VI ( 7) |
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G
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VII (7) |
Moore geht von der vierten Stufe (D) immer eine Quarte
höher bzw. macht einen Quintfall abwärts, was das Gleiche
ist, bis er auf der Tonika landet. Also jeweils nächsthöhere
Saite/gleicher Bund = nächsttiefere Saite/-2 Bünde abwärts.
Nur an einer Stelle geht das nicht, nämlich vom F zum Bb, weil
Bb nicht in A-Moll enthalten ist, sondern nur B. Er wandert also
diatonisch in Quarten (da waren ja noch b11 und #11 im Programm!)
auf die Tonika zu, da diatonisch eben B und nicht Bb. Als Kadenz
geschrieben wäre das dann:
4 - 7 - 3 - 6 - 2 - 5 - 1
Da ist sie, die Mutter unserer Jazz-Kadenzen, die
Vollkadenz, in der alle Stufen von 1 bis 7 enthalten sind. Die 'abgeschnittenen'
Enden sind 2-5-1, 6-2-5-1 und 3-6-2-5-1. Und die sind uns in den
Jazz-Standards ja meterweise vorgekommen. Darum meine ich eben eine
Nähe zum Jazz in SGTB, die Hauptkadenz ist die gleiche wie
in vielen Jazz-Standards. Modifikationen sind G statt G7 und E7
statt Em7. Das mit dem G ist einfach eine Reduzierung, den E7 können
wir genauso als Blues-Dominante (Subdominante als 7 statt m7) auch
wieder in den Jazz-Standards finden. Hatten wir auch schon, nix
Neues.
Und wie weiter?
Im eigentlichen Verse sind die ersten acht Takte wieder
diese Vollkadenz. In den zweiten acht Takten wandelt Moore die Kadenz
clever ab, und leistet sich einen genialen Schachzug. Er macht die
2 und die 5 der Kadenz doppeltaktig und zieht die Auflösung
auf die Tonika, A-Moll, in den Refrain hinein. Das macht einen enormen
Spannungsbogen aus dem Verse in den Refrain, man spürt diese
Spannung geradezu körperlich. So gut ist das Prinzip von Tension
and release selten zu hören.
Im Refrain führt Moore die Akkordfolge zuerst
mit 1-5-1 vorwärts, moduliert dann kurz auf D, und geht in
einer diatonischen Sequenz auf das E als Subdominante wieder auf
A-Moll als Tonika zurück:
| 1 |
2 |
3 |
4 |
| A- |
E- |
A- |
D9 |
| |
|
|
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| 5 |
6 |
7 |
8 |
| F9 |
E7#9 |
A- |
A- |
Das wieder ist Blues. Und eine wunderschöne,
harmonisch konforme Auflösung über die Subdominante. Ein
Schmankerl bleibt noch, die Bridge
Bridge over troubled water?
Wohl um die Folge ein wenig aufzulockern, hat Moore
noch eine Passage hinein genommen, die dann zum Gitarren-Solo überleitet.
Witzigerweise 10-taktig.
| 1 |
2 |
3 |
4 |
| B-7 |
B-7 |
A- |
A- |
| |
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| 5 |
6 |
7 |
8 |
| B-7 |
B-7 |
F 7 | E-7
|
D-7 |
| |
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| 9 |
10 |
|
|
| A- |
A- |
|
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Das ist wohl mehr eine Akkord-Spielerei. Takte 5 bis
8 sind eine diatonische Folge wieder zurück bis zur Tonika
A-Moll.
Jetzt mal im Ernst
Nun könnte man auch eine 'richtige' Akkordfolge
daraus machen, und so SGTB ein wenig für uns hier in den Jazz
transportieren. Mal versuchen? Ok., aber es ist wirklich ein wunderschönes
Stück für Play-alongs diverser Coleur.
| Still Got The Blues (6/8 Play along) |
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Ablauf des Play-along ist:
Intro - Verse - Refrain - Verse - Refrain - Bridge
- Verse - Refrain - Outtro
Das Stück bietet dem Bass doch mehr Bewegungsmöglichkeiten
als im Original vorgegeben. Man bedenke z.B. dass das Stück
eine 6/8-Basslinie verträgt, was uns ermöglicht nun sogar
sechs Noten pro Takt unterzubringen. Dies gilt es denn zu nutzen,
woll?
Für die Jazz-Polizei
Um die Jazz-Polizei am Ende wenigstens ein klein wenig zu besänftigen,
können wir die Akkordfolge natürlich auch in 4/4 übertragen,
um dann wieder eine herkömmliche WBL zu erzeugen. Obwohl ...
das Original in 6/8 für eine WBL schon eine Herausforderung
wäre, müsste man doch sechs Noten pro Takt spielen, statt
vier im 4/4. Hier eine also verkürzte Version in 4/4, bestehend
aus dem Intro und je zweimal Verse und Refrain (für Dorle,
die mich auf diesen Fehler hinwies ):
| Still Got The Blues Jazz Version (4/4
Play along) |
| ohne Bass |
 |
 |
| mit Bass |
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Als nächstes Exempel
... Stella By Starlight? Oder ein Boxenstop zum Thema chromatische
Durchgangsnoten? Sehen wir dann.
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