Herbie Hancock (*12.04.1940)
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Herbie Hancock ist ein Musiker, der stilistisch eher schwer
zu fassen ist. Dem Jazz ist er zuzuordnen, hat aber in seiner
Karriere alle möglichen Ecken des Jazz bereist und ist
einer der Großen in seiner Branche.
Hancock fing mit sieben Jahren an Klavier zu spielen, hatte
sein erstes öffentliches Konzert mit 11, studierte am
Grinnell College. 1961 kam er zu Donald Byrd, nicht viel später
hatte er seinen ersten Plattenvertrag mit Blue Note Records.
In 1963 kam er zu Miles Davis, wo er fünf Jahre blieb.
In dieser Zeit startete Hancocks Bekanntheit mit Stücken
wie "Maiden Voyage," "Cantaloupe Island,"
"Goodbye to Childhood," und "Speak Like a Child."
1968 verließ Hancock Miles' Band und gründete
ein Sextett. Damit beschrittt Hancock neue Wege im Jazz und
wurde zu einer Fusion-Ikone, indem er Rhodes-Piano, Synthesizer
und anderes elektronische Geraffel in den Jazz brachte. Hancock
ist am meisten dem Fusion nahe und hat dort auch seinen größten
Einfluss gehabt. Die Band zerbrach 1973 aus Geldmangel. Es
folgte die Band Head Hunters, die mit "Chameleon"
einen Riesen-Hit hatte. Danach turnte Hancock auf so vielen
Hochzeiten, dass eine detaillierte Darstellung hier nicht
mehr möglich ist. Aktuell arbeitet Hancock für PolyGram
und hat sich wieder etwas mehr dem klassischen Jazz genähert.
Details
über Herbie Hancock
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Als moderner Jazzer hat Hancock sehr viel in einem Stil gearbeitet,
der durch nichtfunktionale Harmonik gekennzeichnet ist. Zu
diesem Sektor gehören auch viele andere Fusion-Musiker wie
Weather Report, Chic Corea, Wayne Shorter oder die Yellowjackets.
Darauf gehen wir jetzt erst einmal etwas näher ein, ehe wir
in Dolphin Dance einsteigen. Sonst wird das nämlich unübersichtlich.
Non-functional harmony
Eigentlich sagt der Name schon alles aus. Klassische Jazz-Kompositionen
a'la Autumn Leaves folgen meistens sehr streng funktionalen Formen,
es gibt eine Tonika, es gibt relativ klare Bewegungen der tonalen
Zentren (z.B. Quint- oder Quart-Fälle) und es wird viel mit
wenigen Standard-Kadenzen gearbeitet (ii-V-i, IV-V-I etc.). Das
ist für das Komponieren ganz angenehm, hat aber in der Entwicklung
des modernen Jazz auch zu einer Stagnation geführt. Man brauchte
einfach mehr Farben und Spannungsbögen, die Ansprüche
wachsen eben über die Zeit. Ich denke, dass hier auch parallele
Entwicklungen in anderen Stilen einen Einfluss gehabt haben, man
denke an die Evolutionslinien im Rock von klassischen Rock'n'Roll
eines Bill Haley über die Stones und Beatles weiter bis zu
Genesis, EL&P oder Yes. Aber das erfoderte eben auch ein Umdenken,
und während man bei Rock Around The Clock noch mit eine
paar Gitarrengriffen hin kam, ist ein Stück wie EL&Ps Tarkus
ein ganz anderes Kaliber. Zurück zur Harmonik.
Charakteristisch an nichtfunktionaler Harmonik ist, dass die tonalen
Zentren nicht mehr bestimmten harmonischen/klassischen Bewegungen
folgen. Der Raum der klaren Diatonik und des klassischen Kadenz-Denkens
wird verlassen. Wenn Rubens klassischer Jazz ist, dann ist moderne
Malerei nichtfunktionale Harmonik, das freie Spiel mit Farben und
Formen. Und daher streckenweise kaum zu analysieren. Was aber nicht
heißt, das das nur Gefuddel oder Free Jazz ist, sondern meistens
werden klassische und moderne Techniken kombiniert. Drei davon können
als Analysehilfe genommen werden.
Explizites tonales Zentrum
In diesem Fall gibt es eine zugrunde liegende Tonart, eine Generaltonika,
alles dreht sich um diese, alles bleibt konsequent diatonisch, seien
es Akkorde, Melodien oder sonstiges. Der Kern ist immer die Auflösung
auf die jeweils aktuelle Tonika, Bewegungen des tonales Zentrums
erfolgen oft in Quintfällen, und es ist letzten Endes immer
klar, was die Grundtonart ist. Typisches Beispiel ist der Blues
und auch der Jazz-Blues, die Bewegungen haben immer die Auflösung
zur I als Ziel. Obwohl dies auf den ersten Blick sehr statisch wirkt,
kann daraus trotzdem durch eine entsprechende Melodieführung
und Rhythmik variable und farbige Musikform entstehen.
Implizites tonales Zentrum
Dies wiederum ist dem expliziten Zentrum sehr ähnlich, nur
fehlt hier die tatsächliche Auflösung zur Tonika. Die
geschachtelten ii-V-Sequenzen in Stella
sind ein gutes Beispiel. Trotzdem nun die I nicht als eigenständiges
Zentrum auftritt, und die unvollständige Kadenz nur sehr kurz
sein kann, ist die Tonika gefühlsmäßig doch immer
da. Nicht selten tritt anstelle der Tonika als Auflösungsziel
eine Inversion derselben auf (Quartsext-Akkord
fällt da als weiteres Stichwort). Das Fehlen der expliziten
Auflösung zur Tonika entbindet auch zu einem Teil von den gewohnten
Bewegungen des Zentrums, z.B. als Quintfälle. Trotzdem bleibt
es diatonisch, das verbindet explizites und implizites Zentrum.
Und wir können weitgehend modal bleiben, die Beziehung von
Akkorden und Skalen ist recht voraussagbar.
Nun könnte man anführen, dass Zwischendominanten doch
den diatonischen Raum verlassen, da Zwischendominanten mit Akkorden
arbeiten, die eben nicht diatonisch sind. Das wäre auch richtig,
wenn Harmonik immer nur Schwarz/Weiß wäre, ist es aber
nicht. Zum zweiten sind Zwischendominanten Übergangsvorgänge,
und sind aus den tonalen Zentren abgeleitet.
Mehrdeutiges tonales Zentrum
Hier lösen wir uns vom Denken in Funktionen und Kadenzen,
das tonale Zentrum ist meistens nicht mehr eindeutig bestimmbar
wie bei den ersten beiden Gruppen. Stattdessen bewegt sich das tonale
Zentrum (meistens) relativ zur aktuellen Tonalität. Bestimmt
wird der aktuelle Akkord als auch der folgende Akkord nicht mehr
von seiner funktionalen Position (z.b. als ii oder als V), sondern
von seiner Rolle in Bezug auf Vorgänger und Nachfolger. Auch
ist keine immer eindeutige Zuordnung von Leiter und Akkord möglich,
so dass man auf Zuordnung durch Farbe oder relative Funktion angewiesen
ist. Ganz zu schweigen von einer schwierigen Analyse. Weil einer
Folge von Akkorden keine eindeutige diatonische Funktion mehr zuzuordnen
ist. Stattdessen ist die Gesamtheit von Akkord, Melodie und Rhythmus
zu berücksichtigen.
Zwischenstop
Kaum ein Stück im modernen Jazz jedoch bedient sich nur aus
einer der drei Schubladen, stattdessen werden oft alle drei untergebracht.
Und völlig uneindeutig und schwierig wird es für uns als
Bassisten aber doch nicht. Ein B7-Akkord ist weiter ein Dominantsept-Akkord,
und zu dem passt Mixolydisch meistens. Ein Maj7-Akkord ist auch
sehr eindeutig. Bei m7 muss man weiterhin aufpassen, kann Äolisch,
Dorisch oder auch Phrygisch sein, oder sogar im jeweiligen Kontext
Melodisch-Moll die passendere Tonart sein. Weil wir von der Funktionalität
in Bezug auf eine eindeutige Tonika und Stufen gelöst sind,
bekommt die Melodielinie eine noch größere Bedeutung
für die Wahl der Leiter.
Die Gliederung in diese drei Arten von Tonalität zu verinnerlichen
hilft uns dabei zur Orientierung. Habe ich eine streng diatonische
Kadenz, kann ich mich weitgehend auf modales Vorgehen verlassen,
die Spezialitäten von Alterationen immer im Auge behaltend.
Stoße ich offenkundig auf nichtfunktionale Harmonik, so muss
ich auf Ohr-Steuerung umschalten.
So, nun aber endlich zu unserem heutigen Thema: Dolphin Dance.
Stammt von der LP Maiden Voyage, einem Highlight in Hancocks Schaffen.
Das Leadsheet
sieht auf den ersten Blick etwas seltsam aus. Zu beachten: die
ersten vier Akkorde werden nur als Einleitung gespielt, der Chorus
selbst verläuft von Takt 5 bis Ende. Nach dem Sehen das Hören:
Erste Annäherung
Zuerst mal eine vollständige MIDI-Version von Benny Gunn:
| Dolphin Dance |
(arr. Benny Gunn) |
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Wegen der Einbeziehung unseres Pottes #3 von oben ist DD kein ganz
einfaches Stück. Das Leadsheet offenbart, dass hier in mehreren
Abschnitten Denken in diatonischen Kadenzen nicht hilft. Also machen
wir uns erst einmal wieder ein paar Jam-Tracks.
| Dolphin Dance |
(89bpm, no bass) |
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(Jam-Track) |
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Die drei b zeigen uns die Grundtonart an, in diesem Fall ist es
C-Moll bzw. Eb-Dur. Mit dieser Basis steigen wir in unser Leadsheet
ein und versuchen uns an einer ersten Interpretation. Zuvor schreiben
wir uns noch als Gedächtnisstütze die Stufenakkorde von
C-Moll sowie der parallen Dur-Tonart Eb-Dur auf, das macht ein paar
Abschnitte einfacher zu überschauen:
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i
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ii
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III
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iv
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v
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VI
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VII
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C-7
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Dm7b5
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EbM7
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F-7
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G-7
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AbM7
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Bb7
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I
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ii
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iii
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IV
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V
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vi
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vii
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EbM7
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F-7
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G-7
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AbM7
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Bb7
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C-7
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Dm7b5
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Takte
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Akkorde |
Interpretation |
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1 - 4
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EbM7 | Bbm7 | EbM7 | Dm7b5 G7 |
Ein Intro, das nicht Teil des Chorus wird. Hancock
beginnt auf der parallelen Dur-Leiter, geht zur Quinte und zur
Tonika zurück, Takt 4 ist ii-V mit Auflösung auf Cm7
als Tonika im folgenden Takt 5. Bis hier ist alles mit expliziten
tonalen Zentren vorhanden, also klassisch. |
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5 - 9
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Cm7 | AbM9#11 | Cm7 | Am7b5
D7 |
C-Moll ist General-Tonika. Das AbM7#11
in Takt 9 ist höchstens so zu erklären, dass F-Moll
einen Quintfall von C entfernt ist, dann wäre Ab-Dur zu
F-Moll parallele Dur-Tonart. Jedoch ist das AbM9 noch zusätzlich
alteriert. Takt 7 wieder C-Moll, Takt 8 ist wieder ii-V, löst
sich zu Takt 9 aber nicht in das erwartete G-Moll, sondern in
G-Dur auf. Das war beim Ende von Stella auch zu finden. |
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10 - 12
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Abm7 Db7 | Fm7 | Bb7 |
Sieht nach ii-V-Kettung aus, wahrscheinlich war
ihm die b5 aber zu dissonant und er hat sie weggelassen. |
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13 - 17
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Cm7 | Cm7/Bb | Am7 | D13 | GM7 |
Nach Rückkehr auf C-Moll wird langfristig
ein Quintfall zu GM7 vorbereitet, und zwar durch den Slash Chord
diatonisch bis zum Am7 hinab, welcher wieder ein ii-V-I mit
dem GM7 in Takt 17 darstellt. |
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18 - 20
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G7sus | G7#11 | G7sus |
Würde ich für eine Soundspielerei zum
GM7 aus Takt 17 halten. sus-Akkorde kommen in diatonischen Kadenzen
nicht direkt vor, sind aber nette Vorhalte-Akkorde. Zu beachten:
alle diese Akkorde haben eine kleine Septime und eine große
Terz oder eine Quarte! |
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21 - 23
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F7sus | G/F | F7sus |
Fall um eine Sekunde ist nicht seltener Taschenspielertrick.
Die Diatonik ist endgültig abgemeldet. |
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24
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Em7 : A7 |
Das ist ii-V in Dur, aber was folgt, ist nicht
die I als DM7, sondern ... |
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25 - 28
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Eb9 | Am7 : D9 | Bm7 | E7 : Dm7 |
Takt 29 wieder ii-V, aber statt Auflösung
in G-Dur kommt Bm7. Der wiederum könnte mit dem folgenden
Akkord ii-V für A-Dur sein, aber wieder kommt es unerwartet.
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29 - 31
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C#m7 | F#7 | Bbm7 |
Das könnte eine modifizierte ii-V-i zum Bbm7
sein, auch in früheren Taken hatte Hancock die b5 weggenommen. |
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32 - 37
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Am7/B | Bm7 | Am7/B | Bbm7/Eb
Abdim/Eb | AbM7 |
Ein Herumspielen um A-Moll? |
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38
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Dm7b5 : G7 |
Sieht offenkundig nach ii-V aus, die I wäre
dann wieder ... C-Moll. General-Tonika. In Bezug auf C-Moll
sind wir nun wieder diatonisch. |
Man könnte den Verlauf des Stückes in etwa so charakterisieren:
- Erster Teil: explizite und implizite tonale Zentren
- Mittelteil: mehrdeutige tonale Zentren
- Letzter Takt: Rückkehr zum expliziten tonalen Zentrum
Viele Akkorde des Stückes entziehen sich daher einer Analyse
aus diatonischer oder sogar harmonischer Sicht. Akkorde werden hintereinander
gekettet um des Klanges und der Spannung willen, nicht als Folge
von Kadenzen oder diatonischen Schritten. Und es hat schon etwas
Geniales an sich, ein raffiniertes Puzzle aus Sekunden- und Quint-Bewegungen.
Und zu so etwas Bass spielen? Aber klar, ist auf den ersten Blick
nicht einfach, auf den zweiten noch ungewohnter, bei etwas näherer
Beschäftigung retten wir uns mit unseren Standardwaffen Grundtonspiel
und Quinten über die Runden.
Versuchen wir es
Zuerst hat mir die obige Analyse die Arbeit erschwert. Man hat
nämlich den Eindruck, es sei wegen der nichtfunktionalen Harmonik
viel schwieriger. Löst man sich von der Theorie und versucht
wieder eine pure Chord/Scale Relationship, also Akkorde und Leitern
aufeinander abzubilden, sind 80% der Takte im Sack
| Dolphin Dance |
(full version)
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Nudelt man dann noch ein wenig um die Akkorde herum (die Aufforderung,
dies praktisch zu tun, ist zu erwarten), und stört man sich
dabei einen Dreck um die Theorie, findet man noch ein paar Hilfen,
die sich generell in unserem bassistischen Werkzeugkasten als nützlich
erweisen:
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Ein Dominantsept-Akkord schreit förmlich
nach Mixolydisch. Bei einem Maj7 kann es eigentlich nur Ionisch
oder Lydisch sein, da die Quarte aber eh nur selten verwendet
wird ... |
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Trifft man auf einen m7, ist die Auswahl schon
größer. Witzigerweise ist es jedoch oft Dorisch,
was passt. Oder auch nicht witzig, denn ii-V-I ist weit verbreitet,
und deshalb auch Dorisch. |
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Treten dann Exoten auf, wie sus, sus4 oder sus47,
schauen, wo der Feel dieser Akkorde im Kontext liegt; in der Regel als Dur-Substitut. Im Falle sus
haben wir immer immer eine Quarte oder Sekunde im Repertoire, da der
sus-Akkord i.d.R. als ein Vorhaltakkord für Dur verwendet
wird. So folgt er Dur, Ionisch oder auch Mixolydisch sind die
Kandidaten, denn sus47 hat die kleine Septime drin. |
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Nichtfunktionale Harmonik ist unübersichtlich
und oft nicht eindeutig analysierbar. Daher ist das Ohr besonders
gefordert. |
So, hätten wir dieses Kapitel auch behandelt. Ich glaube,
wir brauchen jetzt ein wenig Erholung.
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