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Diese MIDI-Datei ist denn auch unser Playalong-Track, mit dem wir uns den Bass-Part erarbeiten wollen. Für den Offline-Betrieb gibt es oben noch zwei Zyklen der 92bpm-Version als MP3-Datei, ca. 3 Minuten Länge, für die CD in den DVD-Player oder für den iPOD (is' das wieder ein Service heute). Chordchart ausdrucken und dann ran. Damit käme dann: Schritt #1Als erste Stufe sollten wir nur die Grundnoten der Akkorde spielen, im ganzen Takt mit einem Einzelakkord als zwei halbe Noten, und die Akkordfolgen verinnerlichen. Möglichst tief auf dem Griffbrett spielen und auf ökonomisches Spiel = wenig Lagenwechsel, alle Finger der Greifhand zu nutzen achten.
Schritt #2Sitzt das (und schon das war ja nicht ganz so einfach), kann man einen Schritt weiter gehen und statt zwei halbe Noten Tonika die Tonika und die zugehörige Quinte spielen, wo ein Akkord über einen kompletten Takt steht. Bei zwei Akkorden pro Takt bleiben wir bei dem Grundton. Dabei haben wir die Wahl zwischen echter Quinte (1 Saite + 2 Bünde höher) und invertierter Quinte (1 Saite tiefer).
Na, das klingt doch schon ganz nett ... bis auf zwei Takte, da muss man aufpassen! Das sind nämlich die beiden Akkorde, in der eine b5 steht, da tut die reine Quinte gespielt weh. Aber das muss man entweder hören, oder eben im Chordchart sehen. Takte 21 und 32. Im Takt 14 passiert uns deshalb nix, weil da zwei halbtaktige Akkord stehen und wir gar nicht zur Quinte kommen. So ein Glück aber auch. Schritt #3Der nächste Schritt wäre eine 'richtige' Walking Bass Line zu spielen, und dabei helfen ein paar Tricks. Das war dann eine meiner ersten Lektionen, nämlich dass Jazzer auch auf ganz triviale Sachen zurück greifen, und nicht immer in 39 Modes und 17 Alterationen denken. Die Akkorde in diesem Stück sehen auf den ersten Blick etwas beängstigend aus. Interessieren uns als Bassisten aber nur peripher. Was uns interessiert ist hier, in der ersten Annäherung, die Tonika, das Akkordgeschlecht, eventuell die Septime, so vorhanden, und Viertelnoten. Die beiden Lösungsworte danach heißen 'chordaler Ansatz' und 'Chromatik'. Nehmen wir uns mal die ersten Akkorde des Stückes zur Brust und schauen, was nach obigen Regeln in den Akkorden für uns Lowender von Bedeutung ist:
Das heißt, dass wir für die Akkorde die Tonika, eine passende Terz, i.d.R. die Quinte und, wenn wir wollen, noch eine Septime zur Verfügung haben. Das sind schon drei oder vier Noten, die in einem Takt unterzubringen sind. Trotzdem sollten wir streng darauf achten die 1-auf-1-Regel beizubehalten, also Tonika auf den ersten Beat jeden Taktes. Bei der Quinte ist aufzupassen, wenn dim oder augm-Akkorde auftreten. Es kann sein, dass auch die reine Quinte passt, das ist aber notwendig auszuprobieren. Die zweite Stellschraube ist die Chromatik. Wir können nämlich, wie im Blues, auch noch passing notes verwenden, z.B.: b3 - 3 - 4 Damit haben wir eine Menge Noten zur Verfügung, ohne uns bisher einmal mit Leitern, geschweige denn mit Modes, gequält zu haben. Und doch haben wir eine schöne Walking Bass Line entwickelt, oder eigentlich sogar ein Dutzend, wenn wir möchten.
Man merke, dass wir bisher nur Akkordnoten verwendet haben, sogar überwiegend Tonika und Quinte, gelegentlich eine Terz und seltener eine Septime. Selbst Chromatik ist hier nicht ernsthaft verwendet. Trotzdem wirkt die Basslinie schon erstaunlich vollständig und fließend. Noch ein möglicher SchrittDenn wir haben ja für jeden Akkord das Tongeschlecht, dann müsste doch auch mit einer schlichten Dur-/Moll-Leiter etwas zu machen sein ... Tonika, Terz, Quarte, meist auch Quinte sind recht zuverlässig. Wir machen es so: in jedem Takt spielen wir von der Tonika aus die ersten vier Noten der Ionischen oder Äolischen Leiter, ja nach vorliegendem Akkordgeschlecht. Folgen in zwei Takten gleiche Akkorde, spielen wir erst aufwärts, dann abwärts. Alles bereit?
Funktioniert. Bis auf einen Takt, den 5. nämlich. Da passt die Quarte nicht, es muss eine übermäßige Quarte her. Was uns bewusst macht, dass hier in diesem Takt insgesamt Lydisch angesagt wäre und das Modale durchscheint. Aber immerhin 35 saubere Versuche, nur einer ging daneben. A little bit deeperSo erwischt es uns doch nochBis hierher haben wir uns ja ein wenig durchgemogelt, auch wenn die Ergebnisse akzeptabel waren. Vollständig wäre es erst dann, wenn wir als Notenmaterial für unsere angestrebte Walking Bass Line die gesamten Skalen zu den Akkorden zur Verfügung hätten. Aha, also doch Leitergefummel. Was tun? Wir müssen nun die zu den jeweiligen Akkorden gehörigen, oder mindestens passenden Leitern identifizieren. Klingt im ersten Moment schlimmer als es ist. Zuerst stellen wir einige Hypothesen auf, die uns bei der Analyse helfen können:
Arbeitet man sich so durch die einzelnen Takte durch, bekommt man einen Ablauf mit Akkorden, den Tonikas und wo die Tonart gewechselt wird. Das können wir jetzt in unser Chordchart eintragen, machen wir auch. Schön, nun haben wir auch die Stufen dazu; haben wir die Stufen, haben wir auch die Modi, die in den einzelnen Kadenzen dazu gehören, zu den Akkorden. Und stellen etwas verblüfft fest, dass einzelne Akkorde eher schwierig mit definitiven Skalen verbunden werden können. Ist also nix von wegen alles logisch, das hat Meister Kern so zusammen gelegt, und obwohl das Stück mit üblichen Kadenzen nur so gespickt ist, kommt ein unverwechselbarer Song heraus. Gehen wir nun durch das Chart durch.
Das Stück ist also alles andere als ohne mit einigen Substitutionen und Ecken+Kanten. Nun mit'ti ModesDa wir nun wissen welche Stufen wo liegen und wo Tonika-Wechsel stattfinden, wollen wir unsere Basslinie auch weitgehend modal anlegen. Am häufigsten kommen 2-5-1 und 6-2-5-1 vor, was den dicken Brocken an Leitern auf Dorisch, Mixolydisch, Äolisch und Ionisch reduziert. In den Fällen, wo in einem Takt zwei Akkorde stehen, wäre Modalität ein gewisser Overkill, dort bleiben wir auf unserem Tonika-Quinte-Pattern, oder spielen auch nur einfach die Tonika + Oktave, oder ähnlich Simples. Aufpassen müssen wie an den Stellen, wo Substitutionen vorgenommen wurden, oder wo Zwischendominanten eingeschoben wurden. Diese kritischen Stellen, wo wir keine normelen Kedenz-Akkorde vorliegen haben, sind insbesondere die Takte 14, 21, 24, 30, 32 und 36. Im erweitereten zweiten Chordchart sind Vorschläge für Skalen an diesen Positionen, wobei Alt = Alterierte Skala, Hdim = halbverminderte Skala, HM5 = 5. Mode Harmonisch Moll, Zyg = Zigeuner-Moll und MM = Melodisch Moll. Will man sich keine Skalen außerhalb der Natürlich-Dur-Diatonik antun, bleibt man in diesen Akkorden einfach auf dem Tonika-Quite- oder Akoordnoten-Pattern. Das ist einfach und ungefährlich. Als Playalong für unsere neue Walking Bass Line-Version leisten wir uns jetzt Overkill in dem Sinne, dass wir das Tempo fahnsinnig zurück nehmen, damit wie als Test alle Noten als Achtel in einem Takt unterbringen können, als Elchtest für unser Chordchart. Wer's selbst nachvollziehen möchte, schaue auf die JamTrax-Seite.
FazitWar doch gar nicht so schlecht, der Einstieg. Wir haben uns über die verschiedenen Zwischenstationen bis zu einer einfachen Walking Bass Line vorgearbeitet. Weitere Schritte wären nun das Vermischen der unterschiedlichen Ansätze, und das Ausnutzen der vollen Leitern. Wir kommen im Jazz zwar mittelfristig nicht um einen Anteil Musiktheorie herum, es ist aber auch wieder, quod erat demonstrandum, nicht die brachiale Theorie-Kenntniss notwendig um sich durch ein komplexeres Stück als 'Schmook on se woter' durchzuhangeln. Es ist nicht zu verheimlichen, dass All The Things You Are nicht gerade der simpelste Song ist, den man sich am Anfang antun kann. Andererseits kann man an diesem Beispiel gut erkennen, wie man den Song analysiert, von der Grundnoten-Linie über das Tonika+Quinte-Prinzip weiter geht und bis in die Welt der Skalen vordringt. Und es hat uns unseren ersten Jazz-Standard beschehrt. More to follow ... |
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©Rainer
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