Dave LaRue
Dave LaRue gehört nicht gerade zu den Bassisten,
die gerne in Anzeigen für Saiten oder Bässe oder
sonstigem Marketing-Bruhaha auftauchen. Wenn, dann fällt
Dave's Name im Zusammenhang mit eher stillen Projekten. Ob
die Steve Morse Band dazu gehört, ist sicher subjektiv.
Ich kenne Dave LaRue schon länger, eben aus dem Steve
Morse-Umfeld. Wieder mehr aufmerksam wurde ich auf ihn durch
Eric, über die Umleitung Steve Morse. Nach der intensiven
Beschäftigung mit der SMB ist Dave für mich erst
einmal wieder ganz nach vorn geraten.
So geht es in den folgenden wenigen Zeilen um
Dave LaRue, aber auch um die Steve Morse Band, und speziell
um Verfahren und Techniken, die man anwenden kann um sich
komplexe und technisch nicht unkritische Riffs und Stücke
'drauf zu ziehen'.
Native Dance
Native Dance stammt von 'Structural Damage'
der Steve Morse Band aus dem Jahre 1994. Dieses Scheibe ist
damals nur als LP herausgekommen, ist nach Auslauf auch nicht
neu aufgelegt worden, aber z.B. bei JPC
als Eigen-Import zu bekommen (siehe auch CD-Liste im letzten
Drittel). Leider im Moment nur eine etwas quietschige Kopie
von Cassette, aber für den Zweck reicht es. Mal hören?
Guuuut ...
| Steve Morse Band: Native
Dance |
 |
Schön, nicht wahr? Zu mindestens ein prima
Stück zum Auseinandernehmen.
Na, es ist für meinen Geschmack noch etwas
mehr drin. Das Stück ist nicht nach einem simplen ABAB-Schema
aufgebaut, sondern fast schon unübersichtlich, wie es
im ProgRock oft zu finden ist. Stichworte: Thema & Variation.
Es ist weiterhin ein gutes Beispiel dafür, wie man Instrumental-Stücke
aufbaut, und wie man trotz fehlendem Singsang über einige
Minuten gute, unterhaltsame und interessante Musik macht.
Auf das Bass-Material blickend laviert Dave LaRue hier auf
einer gesunden Mischung aus Rootnote-Groove, Modalem und rhythmischer
Varianz. Und deshalb finde ich das Stück so schön.
Einfach ein prima Arbeitsfeld zum Lernen und Hinhören.
Mir hat die Transkiption viel Spass gemacht, Dank an Eric
dafür.
Und genau das machen wir jetzt. Stellt Euch
vor, Ihr sollt dieses Stück auf einer Audition oder Session
spielen. Ein realer möglicher Hintergrund. Also frisch
an's Werk.
Ach ja, ehe ich es vergesse: dieser Schrieb
ist deshalb etwas länglich, weil ich einfach mal darstellen
möchte, wie ich es angehe, und vielleicht ist
das für unsere bloody beginners ja ein Ansatz. Wen das
nicht interessiert, der gehe doch einfach zum nächsten
Absatz.
Was zuerst?
Das Stück lokal abspeichern, auf Cassette,
MP3 oder auf CD brennen, so dass es zur Berieselung geeignet
ist. Der erste sinnvolle Schritt wäre, sich das Stück
vertraut zu machen, es erst einmal in Ruhe durchzuhören,
möglichst mehrmals.. In meinem Fall packe ich es auf
eine Cassette oder MD und tue es mir im Auto an. Da ich dort
ein paar Stunden in Summe pro Woche verbringe, ein idealer
Ort.
Bevor man in die Details eines Songs gehen kann,
ist es wichtig, dass das Stück vertraut wird, dass man
den Feel und die Grundstimmung intus hat. Bei diesem Vorgang
geschehen weit mehr Dinge als man am Anfang mitbekommt. Das
betrifft Tongeschlecht(er), Metren, Sound und Spielweise der
Instrumente bis hin zu Details im Mix. Durch häufiges
Hören sickert der Song in uns ein, wichtige Voraussetzung
für die nächsten Schritte.
Weitere Werkzeuge
Bevor man an die Arbeit geht, sollte man sich
das voraussichtlich benötigte Werkzeug zur Hand legen,
hat Vatter immer gesagt. Und da wir ja einen PC haben, können
wir auch den als Werkzeug benutzen.
Hat man ein MP3-File, so kann man es auf dem PC
wieder als Wave-Datei ablegen. Dabei hilft zum Beispiel Goldwave
oder CoolEdit. Oder man kopiert sich ein Stück
von CD mit DA2WAV. Oder mit CdCopy oder anderen Tools.
Im Software-Linx-Index wird
man schnell fündig. CoolEdit ist in der Hinsicht hilfreich,
dass man ein Wave-File in der Geschwindigkeit herabsetzen kann,
wobei die Tonhöhe aber gleich bleibt. Bei komplexen, schnellen
Sachen prima. Goldwave kann auch CD-Audio in Wave-Files transportieren,
und sicher gibt es noch weitere Tools, die da hilfreich sind.
In den Shareware-Archiven
bietet sich da Einiges.
Papier und Schreiber haben aber nicht ausgedient.
Ich für meinen Teil arbeite in diesen Fällen lieber
mit Papier, Bleistift und Radiergummi als mit einem Excel-Sheet,
ist mir einfach kreativer und persönlicher.
Watt nu?
Haben wir alles zusammen, ..., ja dann geht
es an's Eingemachte. Ich zähle erst einmal in Form einer
Liste auf, was man nun machen kann.
 |
Nach dem ersten intensiven Hören kann man sich
an ein Leadsheet oder an die Songstruktur
wagen. Ein Leadsheet ist eine Tabelle der Song-Elemente
(Intro, Verse, Refrain, Bridges) mit den dazugehörigen
Akkorden, Tonarten und/oder Metren. Eine vereinfachte
Form oder Vorstufe eines Leadsheets ist eine Tabelle
mit der Struktur des Songs und seinen Struktur-Elementen.
Also zum Beispiel so in schon fortgeschrittenem Stadium:
| I |
Intro |
Am Bass-Solo |
4/4 |
4 Takte |
| II |
Verse |
Am - C - D - Fm |
4/4 |
4 Takte |
| III |
Refrain |
C - G |
4/4 |
2 Takte |
| IV |
Verse |
Am - C - D - Fm |
4/4 |
4 Takte |
| V |
Bridge |
Asus2 - D - G9 |
3/4 |
8 Takte |
| VI |
Refrain |
C - G |
4/4 |
2 Takte |
| ... |
... |
... |
|
|
Das wäre schon ziemlich viel und recht eindeutig.
|
 |
Mit dem Leadsheet/Strukturblatt haben wir nun das Stück
in Teile gegliedert und diese Teile bekommen Namen zu
ihrer Identifikation. |
 |
Unsere Song-Bestandteile können nun einzeln in
Angriff genommen werden. Entweder durch konzentriertes
Hören und Mitspielen und Nachspielen. Oder, wenn
es nicht so simpel ist, durch Ausschneiden des Parts aus
einer WAV-Datei und Abspielen in halber Geschwindigkeit,
z.B. mit CoolEdit. Und an diesem Punkt liegt natürlich
der Hase im Pfeffer. Wenn wir nicht in der Lage sind,
intervall-gerecht zu hören und es auf's Griffbrett
zu übertragen, ist die Mühe enorm gross. |
 |
Der vorherige Punkt ist natürlich der Batzen. Nochmals
betont. Nicht nur auf Noten, sondern auch auf Rhythmik
achten! Viele Songs haben hier erst ihren Reiz, wenn nicht
sogar den Hook des Songs überhaupt. |
 |
Haben wir die Teile, Riffs, Akkorde zusammen, geht es
an das Üben des flüssigen Spiels. Perfektion
der Rhythmik oder der Übergänge gehört
dazu. Und auch, dass man so kleine Schweinereien mitbekommt,
die da im Original das Salz in der Suppe sein könnten.
Einige wenige Stichworte: passing notes, alterierte Noten
(Noten, die nicht zur zugrunde liegenden Leiter gehören,
sondern eingestreut werden), Slides und Pull Offs, Akzentuierungen,
'Ziehen' von Einsen im Takt (so bewusst knapp daneben
gespielt), Dynamik in Sound und Lautstärke. |
 |
Der Rest ist Üben, Üben, Üben. |
 |
Wenn's nun beim tatsächlichen Spielen mit der Band
im Proberaum nicht so klappt, sollte man vielleicht noch
mal Jeff Berlin
vorbeischauen, denn diese Sicht gehört auch dazu. |
 |
Last but not least: will man das Stück als perfect
cover spielen, ist das Kleben am Original natürlich
unerlässlich. Will man das Stück dagegen für
sich selbst interpretieren, ist eine Detail-Analyse des
Originals trotzdem hilfreich. |
Nun am lebenden Objekt
...
| Steve Morse Band: Native
Dance |
 |
Zu Stufe #1: Die Struktur des Songs.
Native Dance unterscheidet sich, wie schon erwähnt,
in der Struktur von den gängigen Singer/Songwriter-Sachen
erheblich, da keine deutliche Verse/Refrain-Struktur eingehalten
wird. Und in diesem Bruch liegt der Reiz dieses Stückes,
neben der wunderbaren Gitarren-Arbeit von Steve Morse. Und
doch gibt es eine klare Struktur, auch wenn die Struktur-Elemente
gern moduliert oder variiert werden. Daher sind die Namen
'Main Riff' oder 'Interlude' hier eher als persönlicher
Aufhänger zu sehen als im streng harmonischen, theoretischen
Sinne. Ich habe sie einfach mal so genannt. Die Zeitangaben
beziehen auf das mp3-File (mit diesem einfachen
Player kann man bequem navigieren).
| # |
Element |
Form |
Main key |
Time |
| 1 |
Main Riff |
Tutti |
G, C |
00:00 |
| 2 |
Break |
Pause |
C |
00:16 |
| 3 |
Main Riff |
Gtr-Melodie |
G, C |
00:20 |
| 4 |
Refrain |
Tutti |
D, G, A (E) |
00:40 |
| 5 |
Interlude |
Gtr-Melodie |
E |
01:05 |
| 6 |
Interlude |
Gtr-Melodie |
B (G) |
01:21 |
| 7 |
Interlude |
Gtr-Melodie |
A |
01:30 |
| 8 |
Contra1 |
Gtr-Melodie |
D, G, A (E) |
01:38 |
| 9 |
Main Riff |
Gtr-Solo |
A, D |
01:58 |
| 10 |
Interlude |
Gtr-Solo |
E |
02:15 |
| 11 |
Main Riff |
Gtr-Solo |
A, D |
02:31 |
| 12 |
Interlude |
Bass-Solo |
E |
02:48 |
| 13 |
Interlude |
Gtr-Melodie |
E |
03:05 |
| 14 |
Interlude |
Gtr-Melodie |
A |
03:12 |
| 15 |
Contra2 |
Gtr-Melodie |
D ... |
03:21 |
| 16 |
Outtro = Contra2 |
Gtr-Melodie |
D ... |
|
| |
|
ad. inf. ... |
... and end |
|
Das ist nun die Struktur, grob aufgeteilt. Was
fällt auf? Drei Haupt-Elemente: 'Main Riff', 'Refrain'
und 'Interlude', allerdings moduliert (#1, #9), Interlude
ebenfalls (#5, #6, #7), ebenso Refrain (#8, #16), dazu noch
einen Part, den ich 'Contra' genannt habe. Überhaupt
schraubt sich das Stück gern und oft durch die Basis-Tonarten
E, A, B sowie G, C und D. Fällt da was auf, wenn man
diese Folgen als diatonische Kadenzen betrachtet? Aaaaaaaahhh
ha! Also doch ein weiterer schlüssiger Beweis, dass Theorie
eine brauchbare Grundlage des Songwritings darstellt.
Nette theoretische Betrachtungen, aber der Schlüssel
zum Groove und Feel liegt natürlich ganz wo anders. Nämlich
in der Rhythmik. Nicht 3/4, 5/4 und 7/8 bunt gemischt, sondern
straight 4/4. Der Groove, die rhythmische Faszination stammt
aus der Kombination a) Gitarre binär, Achtel, Sechzehntel,
b) Drums linienartig durch die Viertel, aber jetzt: c) Bass
entweder 1-on-1 binär oder voll gegen Drums und Gitarre
synkopiert in den Offbeat. Native Dance ist ein Musterbeispiel,
wie allein aus rhythmischer Varianz und genialer Kombination
von On- und Offbeat-Synkopen ein faszinierender Groove entsteht.
Dieses Offbeat-Feeling 'zieht' enorm, sicher ein ganz wesentlicher
Teil des Hook's in diesem Song.
Zurück in die Wirklichkeit, Brüder
und Schwestern im Basse ... nun brauchen wir die Bass-Linien
dazu.
Nicht ganz trivial
Aber auch nicht soooooo schwierig, insbesondere
der Main Riff und Interlude. Erwartungsgemäß ist
es der Refrain und der Part namens 'Contra', der Aufwand erfordert.
Reduzieren und erweitern wir unsere Tabelle zu den Bass-Riffs.
Das ist unser dicker Fisch, denn nun müssen die Bass-Linien
und -Riffs zu den Abschntten herausgehört werden. Manchmal
einfach, manchmal ganz schön tricky. Damit wir auch dat
Janze einigermaßen notiert kriegen, brauchen wir TablEdit,
oder wenigstens TablView:
| # |
Element |
|
|
| 1 |
Main Riff G |
|
|
| 2 |
Break C |
(C ausklingend ...) |
| 3 |
Main Riff G |
|
|
| 4 |
Refrain |
|
|
| 5 |
Interlude E |
(E Synkopen) |
| 6 |
Interlude B |
(B Synkopen) |
| 7 |
Interlude A |
(A Synkopen) |
| 8 |
Contra1 |
|
|
| 9 |
Main Riff A |
|
|
| 10 |
Interlude E |
(E Synkopen) |
| 11 |
Main Riff A |
|
|
| 12 |
Interlude E |
(Bass-Solo E) |
| 13 |
Interlude E |
(E Synkopen) |
| 14 |
Interlude A |
(A Synkopen) |
| 15 |
Contra2 |
|
|
| 16 |
Outtro = Contra2 |
|
|
| |
|
ad. inf. ... |
... and end |
Ich habe hier nicht alle Schmankerln, passing
notes und Slides ausnotiert, sondern wenigstens die Grundnoten
und das Timing, wobei auch letzteres in der Praxis noch wesentlich
feiner ist als hier in der Notation. In diesem Fall habe ich
auch Contra2 anders ausnotiert als Contra1, nämlich als
Quinte zur Original-Linie. Das geht aber nur sinnvoll, wenn
ein zweiter Gitarrist oder ein Kiehbohrder dabei ist, der
den Root-Part liefert (wie im Original). Spielt man nur mit
einer Gitarre und einem Bass, würde man besser Contra2
= Contra1 setzen.
Tatsächlich wird man auch selten ein Stück
wirklich im letzten Detail ausnotieren. Und wenn man ein Stück
wirklich drauf hat, schaut man sich das Geschriebene von zuvor
schon gar nicht mehr an.
Wo hilft der PC?
Nun, sicher zuerst mal als Schreibgerät,
entweder für Dokumentarisches, oder auch zum Notieren
von herausgehörten Teilen, z.B. mit einem Tab- oder Notationsprogramm.
Bei etwas schwierigeren Passagen dann wieder in anderer Weise.
Das oben erwähnte CoolEdit kann beispielsweise eine Stretch-Funktion
ausführen, d.h. eine Wave-Datei in der gleichen Stimmung
halten, aber zeitlich strecken. Nehmen wir an, wir hätten
einen bestimmten Abschnitt, den wir genauer hören müssen:
| Sample: |
 |
Nun können wir die mp3-Datei mit Goldwave einlesen und
wieder als .wav-Datei ablegen, danach mit CoolEdit strecken,
und heraus kommt:
| Sample x 2: |
 |
Übrigens hat die aktuelle CoolEdit-Version keinerlei SAVE-Funktionen
mehr, die alte Version CoolEdit96 aber schon noch. Dass die zweite
Version etwas humpelt, liegt an meinem PC. Mit einem Pentium/400
oder höher nimmt CE dann andere Parameter, und das Gestretschte
klingt wesentlich gleichmäßiger.
Oder: nachdem man so weit durch ist, legt man sich das mp3-File
in eine Spur eines Multitrackers (Multique,
n-Track) und spielt
seine Version dazu. Als Selbst-Kontrolle, oder um das Stück
in eine eigene Fassung zu bringen. TablEdit
kann übrigens auch Drum-Tracks notieren lassen, nicht
nur Standard-Notation oder Tabulatur. Der Möglichkeiten
sind viele.
Nach einmal Dave
Die Möglichkeit, sich eine Wave-Datei von CD oder Cassette
mit einem Sound-Editor zu verlangsamen, hilft besonders bei
Partien oder Riffs, die sonst kaum zu analysieren sind.
Vor der SMB-CD 'Southern Steel' stammt das Stück Battle
Lines. Herausnehmen wollen wir uns die erste halbe Minute
mit dem zweistimmigen Intro.
| Battle Lines (Intro): |
 |
Zu dicke? Warten wir's ab. Was macht diesen Teil (der Rest
ist auch nicht gerade simpel) auf den ersten Blick so komplex?
Es sind einfach die häufigen und nicht immer offensichtlichen/offenhörlichen
Tonartwechsel, und die Verzahnung der Bass- und Gitarrenlinie.
Der Bass wiederholt tonartgleich, doch einen Beat nach der
Gitarre in etwa den Gitarrenpart, jedoch kontrapunktisch.
Also diesen Teil von CD auf Wave sichern, die ersten 30 Sekunden
herauspicken und mit CoolEdit verlangsamen.
| Battle Lines x 0.66
(Intro): |
 |
Schritt 2: Takt für Takt vorarbeiten. In CoolEdit oder
Goldwave kann man sich Abschnitte auch markieren und beliebig
wiederholen lassen. So hat man die Möglichkeit mit dem
Prinzip von Versuch und Irrtum jeden Takt zu analysieren und
nachzuspielen. Immer nur einen Teil, vielleicht einen Takt,
oder auch mal zwei bis drei. Jeden Teil spielen, bis er flüssig
läuft. Schritt 3 wäre das Zusammenfügen der
gewonnenen Erkenntnisse zur gesamten Linie dieses Abschnitts.
Schritt 4: Notieren? Keine schlechte Idee ...
| Battle Lines (Intro): |
 |
Natürlich spielt Dave mal wieder einige Noten, die wir
hier so nicht so mitbekommen,oder wo wir an unser Limit kommen.
Geht uns ja auch nur um's Prinzip.
Schritt 5: auch wenn ich mich wiederhole, über, üben,
üben. Wer die Linie dann im gleichen affenartigen Tempo
wie Dave LaRue spielt, kriegt 'nen Keks.
Noch zwei Beispiele ...
Zwei Beispiele für die Arbeit von Dave LaRue möchte
ich noch anhängen, zum Reinhören und auch zum eventuellen
Weiterarbeiten. Und eine Liste von CDs, die hilfreich sind,
wenn man sich mit ihm detaillierter beschäftigen möchte
(was ich allen Rock- und Fusion-Bassisten wärmestens
empfehle).
Da ist zum einen Slice Of Time, ein Stück für
zwei Gitarren und Bass:
| Slice Of Time (Excerpt): |
 |
SOT ist für die Arbeit von Steve und Morse sehr typisch,
nämlich in der Kombination von klassischen Einflüssen
und Folk, sowie durch die extensive Verwendung von Kontrapunkt.
Sehr interessant ist auch hier eine Analyse des Aufbaus des
gesamten Stückes. Diese Struktur ist nämlich einerseits
sehr variabel, aber auch gut reproduzierbar.
Eher aus der Gegenrichtung Rising Power ...
| Rising Power (Excerpt): |
 |
Das Bass-Intro ist ja wohl ein Knaller. Das schreit nach
einem genaueren Studium und einer Transkription, oder?
CD-Empfehlungen
Aus meiner Sicht empfehlenwert, in der Kombination Morse/LaRue,
sind die CDs Structural Damage, Southern Steel
sowie Stressfest. Alle CDs sind standardmäßig
oder als Eigenimporte bei JPC
erhältlich (oder natürlich bei
Willi). Insbesondere die ersten beiden enthalten
Kleinode der instrumentellen Rock-Musik. Obwohl das
manchmal kein Rock ist. Da ist auch Jazz und Klassik
drin, oft sehr gut getarnt.
Fazit
Watt lärnt unz dat Ganze? Als erstes sollte
es zeigen (auch für unsere nächsten Kandidaten),
wie man ein nachzuspielendes Stück angeht, wie man die
Struktur analysiert, die Noten findet und dann das Timing
ausarbeitet. Das kann man bis zum Exzess treiben, und auch
hier bei Native Dance könnt Ihr das gerne tun. Der Kern
liegt aber in der wirklich intensiven Beschäftigung mit
dem Material, ein Lesen und Anhören bringt aber auch
gar nix. Soweit der Appell, von der oberflächlichen Betrachtung
weg zu gehen und in ein Stück einzutauchen.
Viel wichtiger finde ich allerdings, sich solche
Tracks mal richtig vorzunehmen und sich daraus seinen persönlichen
Lerneffekt zu generieren. Und an Native Dance und Battle Lines
kann man eine Menge lernen. Meine eigene Lernerfahrung an
diesem Song:
- Instrumental-Stücke erfordern aufgrund des Fokus
auf wenige Instrumente ein anderes Vorgehen als Material
mit Gesang. Steve's Art, ND aus strukturell gleichen, aber
tonart-verschiedenen Bausteinen aufzubauen, liefert ein
würdiges Vorbild.
- Schöne Gitarren-Melodien sind der eine Brei, ND zeigt
weiter, wie man aus einem gut aufgebautem System Drums +
Bass mit rhythmischen Feinheiten und Seitenhieben Groove
und Feel aufbaut.
- Dave LaRue könnte sicher den Zuhörer permanent
schwindelig spielen, doch er tut es nicht immer. Stattdessen
hält er sich noten-mäßig schön zurück,
bis auf ein paar Ansätze von Kontrapunkt, aber dann
mit feinem rhythmischen Gespür für das Kleine
und Feine, und einer Menge spielerischen Einwürfen
wie Slides, Hammer Ons etc.
- Im Artikel über Artikulation
hatte ich schon mal darüber geschwafelt, wie wichtig
gerade die geplanten Ungenauigkeiten und Abschweifungen
sein können, um aus einer stur herunter gespielten
Bass-Linie eine Säule eines Songs zu machen. Auch hier
ist ND ein hörbarer Beweis für meine Theorie.
- Native Dance schöpft sein Potential aus Beschränkung
und Unterstatement.
Noch mehr über Dave findet sich auf seiner
Homepage.
Nun aber weiter
Es lagert vielleicht auch noch so manches Kleinod
in den CD-Regalen, das einer genaueren Betrachtung wert wäre.
Und vielleicht ist der Weg zum guten Bass-Spiel schon seit
langer Zeit im eigenen Regal. Ganz zu schweigen von enormen
Übungs-Effekt einer solchen Aktion. Denn irgend etwas
vom Gehörten und Gespielten bleibt hängen, wird
in das eigene Spielen und Hören eingebaut.
So weit zu Dave LaRue. Toller Bassist. Wird
mich wohl noch länger beschäftigen. Apropos CDs:
für jede von mir vermittelte verkaufte SMB-CD bekomme
ich eine Privat-Stunde bei Dave. Also haltet Euch ran ...
|