The Adam Nitti Collection


Adam Nitti arbeitet als Bass-Lehrer am Atlanta Institute of Music. Ich habe seinen folgenden Text übersetzt und mit Adam's freundlicher Genehmigung hier verwendet. Weitere Infos zu Adam, seinen musikalischen Aktivitäten und weitere Artikel in Englisch auf seiner Homepage (www.adamnitti.com).


Rechte & Linke Hand-Techniken

von Adam Nitti

Aufräumen

Okay, Kollegen von der Basser-Front, es ist Zeit, etwas aufzuräumen. Technisch gesehen, natürlich. Wie viele von Euch haben das Gefühl, dass Eure Finger-Technik Eure musikalischen Bestrebungen behindert? Wenn dem so ist, ist es an der Zeit einen genauen Blick darauf zu werfen, wie denn Eure zusammenarbeiten.

Nach meiner Meinung sollte man alles in seiner Macht stehende tun, jedwede technische Beschränkung aus dem Wege zu räumen, die es gibt. Der Grund ist einfach: wenn Ihr irgendwelche Ideen habt, aus dem Kopf oder dem Bauch, und könnt sie nicht mittels Eurer Hände umsetzen, wir es für andere keine Möglichkeit des Mit-Erfahrens geben. Euer Spiel und die Kommunikation wird durch Eure Hände behindert, und das ist nicht gut.

Was sind die Symptome dafür? Hier sind ein paar aufgezählt:

  1. Undeutlicher Sound, verursacht durch Saitengeräusche oder fehlende Akkuratesse.
  2. Mangel an Geschwindigkeit (saubere Geschwindigkeit, genauer gesagt).
  3. Die Erfahrung von Improvisationslöchern, durch das Wiederholen immer gleicher Licks und Muster.
  4. Meiden von Arpeggios und anderen saiten-übergreifenden Techniken.
  5. Abgehackt klingende Linien (staccato), wo weicher, fliessender Übergang erwünscht (legato).

All diese Probleme, und viele mehr, können durch gezielte und gelenkte Übung guter Hand-Techniken beseitigt werden. Viele von uns haben sich über die Jahre schlechte Angewohnheiten zugelegt, die jetzt Probleme verursachen, wenn man sich nicht darum kümmert, sie abzulegen oder umzukehren. Obwohl es schwierig ist, diese Dinge in gedruckter Form anzugehen, möchte ich trotzdem versuchen, Euch einige Konzepte mitzugeben, die mir geholfen haben, diese Behinderungen zu beseitigen.

Hinweis:
Die folgenden Prinzipien der Spiel-Techniken wurden über Jahre entwickelt, einerseits aufbauend auf eigenen Erfahrungen, auf der Technik von Meistern und auf allgemein anerkannten Vorgehensweisen. Obwohl ich diese Techniken wärmstens empfehlen möchte, sind sie beileibe nicht die einzigen Wege zu einem guten Techniker. Unterschiedliche Spieler haben unterschiedliche Bauweisen, nicht alle Methoden dienen allen Spielern zum Vorteil. Daher ist zu empfehlen, sich den folgenden Techniken interessiert und offen anzunähern. Sollten sie für Euch nicht wirken, schliesst einen Kompromiss, der Euch behagt und für Eure spielerische Entwicklung effektiv ist.

P.S.: Linkshänder vertauschen einfach in den folgenden Angaben die Seiten und Saiten.

Rechte Hand-Technik

1.) 1-2/2-1 Wechsel (1 = Zeigefinger, 2 = Mittelfinger)

Es mag einigen von Euch offensichtlich erscheinen, dass die effizienteste Anschlagsweise der alterierende Fingeranschlag ist (sequentieller Wechsel der anschlagenden Finger). Übt dies mit reliöser Inbrunst! I stelle immer wieder fest, dass die meisten Spieler im Anschlag inkonsistent werden, wenn es darum geht absteigende Linien (von oberen zu unteren Saiten) zu spielen. Sie haben eine Tendenz mit einem einzelnen Finger über die Saiten zu gehen, anstatt sich sauber anschlagend von unten nach oben zu arbeiten. Arbeitet hart daran, diese hinderlichen Methoden zu meiden, sonst seid Ihr nicht in der Lage, herausfordernde String Skipping oder andere saitenübergreifende Linien ohne Schlampigkeiten zu spielen, egal, in welche Richtung es geht.

2.) 'Thumb Trailing', Dämpfen

'Thumb Trailing' (Daumen-Nachziehen) ist eine Technik, an der ich erkrankt bin, die unter dem Namen 'B String Stikitis' bekannt ist. Scherz beiseite, es war die schlimmste technische Fussangel, die ich je überwinden musste, als ich vom Viersaiter zum Fünfsaiter und Sechsaiter mit der zusätzlichen dicken B-Saite wechselte. Weil wir Finger-Spieler dazu tendieren, uns auf den unteren Saiten auszuruhen, zeigt es sich, das das Einschieben einer zusätzlichen B-Saite die Arbeit erheblich erschwert. Die meisten Leute haben nämlich ein Problem damit, auf einem Fünfsaiter oder Sechssaiter die Saiten still zu halten. Der Weg, wie ich das geschafft habe, ist die 'Thumb Trailing'-Methode, die für alle Bässe anwendbar ist, unabhängig von der Saitenzahl. Hier ist eine prinzipielle Darstellung, wie es auf einem Fünfsaiter geht:

 Wenn man auf der tiefen B-Saite spielt, ruht der Daumen auf einem Pickup oder auf dem Korpus. Spielt man auf der E-Saite, ruht der Daumen auf der B-Saite, auf der A-Saite auf der E-Saite, auf der D-Saite auf der A-Saite u.s.w.

Auf diese Weise hält man Saiten still, von denen man sich nach oben bewegt.

3.) Hand-Plazierung und Ton

Vergesst nicht, dass der Punkt, wo Ihr die Saiten spielt, den Ton insgesamt stark beeinflusst! Im allgemeinen bekommt Ihr einen runden, warmen Ton, wenn Ihr eher zum Hals hin spielt. Schlagt Ihr näher an der Bridge an, ist der Ton härter und schärfer. So kann man natürlich eine Vielzahl von Sounds erreichen, indem man den Anschlagpunkt variiert. Seid aber keinesfalls eingeschränkt un dem Bereich in dem Ihr anschlagt. Es kann passieren, dass bei einem Stück ein anderer Ton erwartet wird als Ihr aktuell liefert. Es spart eine Menge Zeit und Kopfschmerzen, wenn Ihr rasch Euren Anschlag verändern könnt anstatt am Verstärker herumzufummeln.

Linke Hand-Technik

1. Spielt mit den Fingerkuppen!

Ich sehe leider oft, speziell bei Anfängern, einen Ansatz zum flachen Greifen, d.h., der greifende Finger liegt parallel zur Griffbrett-Oberfläche. Dies geschieht meist aufgrund eines Mangels an Kraft in den Fingern der linken Hand. Stattdessen sollte die Hand gewölbt sein, ähnlich wie bei Pianisten oder klassischen Gitarristen. Spielen mit den Fingerkuppen sichert präzises Greifen und Intonation, als auch Stimmigkeit in den Greifbewegungen. Das Prinzip lässt sich wohl am beispielhaftesten beim bundlosen Bass verfolgen. Fretless-Spieler wissen nämlich, dass sich die beste Intonation ergibt, wenn die Auflagefläche der Fingerkuppe minimal ist [denn so ist das Rollieren zur Korrektur der Intonation am effektivsten d.S.]. Das lässt sich auf den bundierten Bass genau übertragen

2. Haltet Eure Finger senkrecht zum Hals

Das ist mehr eine allgemeine Regel als eine strikte Regel. Allgemein gesprochen sollten Eure Finger im 90Grad-Winkel zum Griffbrett stehen. Das betrifft mehr die Stellung des Handgelenkes als irgendetwas anderes. Zugunsten von Bequemlichkeit oder dem Vermeiden einer Anspannung sollte ein gewisser Platz zwischen dem Hals und Eurer Hand-Innenfläche sein. Nochmals: wir borgen uns diese Techniken von den Spielern der klassischen Gitarre. Ein einfacher Weg zu prüfen, ob Ihr richtig liegt, ist, dass der Daumen der linken Hand niemals um den Hals herum greifen sollte. Es kann sein, dass Ihr auch feststellt, dass dieser Ansatz ein wenig verändert werden kann, je höher auf dem Hals Ihr greift. Auf jeden Fall solltet Ihr scharfes Abknicken des Handgelenkes vermeiden solltet, denn das kann erhebliche Probleme verursachen, z.b. Sehnenscheiden-Entzündungen oder Tendinitis (Gelenk-Entzündungen).

3. Haltet den Daumen mittig auf der Halsrückseite

Den vorherigen Ausführungen folgend ist es das Beste, den Daumen der linken Hand irgendwo in der Mitte der Halsrückseite zu halten. Macht Ihr, sagt Ihr? Prima, dann können wir ja mal einen kleinen Test machen. Während Ihr spielt, hebt den Daumen ein kleines Stückchen von der Halsoberfläche ab, ohne die gerade gespielte Linie zu unterbrechen. Fällt das Spiel zusammen? Ist die Antwort 'Ja', dann habt Ihr Euch des Verbrechens der Anspannung schuldig gemacht! Und zuviel Spannung ist von Übel. Viele Spieler setzen den Daumen der linken Hand unter Spannung, was Schmerzen und Leiden in der Zukunft bedeuten kann, wenn Ihr nicht jetzt darauf achtet. Was ich beobachtet habe, ist, dass diese Spannung i.d.R. in der Schulter beginnt und sich dann bis in die Hände herunterzieht.

Zu überprrüfen ist das leicht: nachdem Ihr eine Zeit lang gespielt habt, hört Ihr auf und entspannt Euch ganz bewusst. Sinkt die Schulter herunter? Wenn ja, habt die Schulter unter Spannung. zwingt Euch dazu, in dem Moment, in dem Ihr es angebracht spürt, beim Spielen zu pausieren und zu entspannen. Dann erst weiterspielen. Das kann für die Zukunft eine Menge körperlicher Probleme vermeiden helfen, wenn Ihr solche schlechten Angewohnheiten möglichst früh bekämpft.

Baut diese Prinzipien in Eure Übungs-Abläufe ein. Sie mögen zuerst seltsam erscheinen, aber sie sollten zu einem festen Bestandteil werden, wenn Ihr Euch nur gelegentlich darauf konzentriert.

Ach ja, ..., noch 'was:

Übt Technik um der Technik willen!

Übungen

Um eine konsistente Linke/Rechte Hand-Arbeit zu erreichen, ist das Üben obiger Prinzipien unerlässlich, und zwar mit einer Palette von Übungen. Zum Erreichen der Ziele empfiehlt sich die 'One-Finger-Per-Fret'-Methode, wenn man eine effektive und effiziente Spieltechnik erreichen will.

Beim Üben von Technik, wie bei allen anderen Themen, die mit Akuratheit und Präzision zu tun haben, empfilet sich die Nutzung eines Metronoms oder eines Drum Computers, um eine zuverlässige Quelle für's Timing zu haben. Diese Mittel erlauben Euch, in einer konstanten und unveränderlichen Zeitzone zu arbeiten. Und es ist nur natürlich, dass die Gewohnheit, mit einem Metronom zu arbeiten, auch Eure Zusammenarbeit mit einen realen Drummer erheblich erleichert. Es ist die Gewohnheit zur Präzision.

Permutations-Übungen

Übt diese Fingersätze für die linke Hand Griffbrett auf- und abwärts mit der 'One-Finger-Per-Fret'-Methode, über alle Saiten und mit dem 1-2-Wechselschlag der rechten Hand. Thumb Trailing nicht vergessen!

Übung 1 (Zahlen repräsentieren Finger):

  • 1 - 2 - 3 - 4 - 2 - 1 - 3 - 4 - 3 - 1 - 2 - 4 - 4 - 1 - 2 - 3
  • 1 - 2 - 4 - 3 - 2 - 1 - 4 - 3 - 3 - 1 - 4 - 2 - 4 - 1 - 3 - 2
  • 1 - 3 - 2 - 4 - 2 - 3 - 1 - 4 - 3 - 2 - 1 - 4 - 4 - 2 - 1 - 3
  • 1 - 3 - 4 - 2 - 2 - 3 - 4 - 1 - 3 - 2 - 4 - 1 - 4 - 2 - 3 - 1
  • 1 - 4 - 2 - 3 - 2 - 4 - 1 - 3 - 3 - 4 - 1 - 2 - 4 - 3 - 1 - 2
  • 1 - 4 - 3 - 2 - 2 - 4 - 3 - 1 - 3 - 4 - 2 - 1 - 4 - 3 - 2 - 1

Übung 2

Übt die obigen 24 Muster aus Übung 1 simultan, One-Finger-Per-Fret und One-Finger-Per-String! Die Fingersätze bekommen dann eine diagonale Form, wie hier gezeigt:

Alternativ kann man die Permutationen auch umkehren, um eine noch bessere Links/Rechts-Koordination zu üben:

Soweit, so gut.

Keep it bassy!!!

Übersetzt von Rainer Böttchers, August 1999

 
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