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Rechte & Linke Hand-Techniken
von Adam Nitti
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Aufräumen
Okay, Kollegen von der Basser-Front, es ist Zeit, etwas aufzuräumen.
Technisch gesehen, natürlich. Wie viele von Euch haben
das Gefühl, dass Eure Finger-Technik Eure musikalischen
Bestrebungen behindert? Wenn dem so ist, ist es an der Zeit
einen genauen Blick darauf zu werfen, wie denn Eure zusammenarbeiten.
Nach meiner Meinung sollte man alles in seiner Macht stehende
tun, jedwede technische Beschränkung aus dem Wege zu
räumen, die es gibt. Der Grund ist einfach: wenn Ihr
irgendwelche Ideen habt, aus dem Kopf oder dem Bauch, und
könnt sie nicht mittels Eurer Hände umsetzen, wir
es für andere keine Möglichkeit des Mit-Erfahrens
geben. Euer Spiel und die Kommunikation wird durch Eure Hände
behindert, und das ist nicht gut.
Was sind die Symptome dafür? Hier sind ein paar aufgezählt:
- Undeutlicher Sound, verursacht durch Saitengeräusche
oder fehlende Akkuratesse.
- Mangel an Geschwindigkeit (saubere Geschwindigkeit,
genauer gesagt).
- Die Erfahrung von Improvisationslöchern, durch
das Wiederholen immer gleicher Licks und Muster.
- Meiden von Arpeggios und anderen saiten-übergreifenden
Techniken.
- Abgehackt klingende Linien (staccato), wo weicher,
fliessender Übergang erwünscht (legato).
All diese Probleme, und viele mehr, können durch gezielte
und gelenkte Übung guter Hand-Techniken beseitigt werden.
Viele von uns haben sich über die Jahre schlechte Angewohnheiten
zugelegt, die jetzt Probleme verursachen, wenn man sich nicht
darum kümmert, sie abzulegen oder umzukehren. Obwohl
es schwierig ist, diese Dinge in gedruckter Form anzugehen,
möchte ich trotzdem versuchen, Euch einige Konzepte mitzugeben,
die mir geholfen haben, diese Behinderungen zu beseitigen.
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Hinweis: |
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Die folgenden Prinzipien der Spiel-Techniken
wurden über Jahre entwickelt, einerseits aufbauend
auf eigenen Erfahrungen, auf der Technik von Meistern
und auf allgemein anerkannten Vorgehensweisen. Obwohl
ich diese Techniken wärmstens empfehlen möchte,
sind sie beileibe nicht die einzigen Wege zu einem guten
Techniker. Unterschiedliche Spieler haben unterschiedliche
Bauweisen, nicht alle Methoden dienen allen Spielern zum
Vorteil. Daher ist zu empfehlen, sich den folgenden Techniken
interessiert und offen anzunähern. Sollten sie für
Euch nicht wirken, schliesst einen Kompromiss, der Euch
behagt und für Eure spielerische Entwicklung effektiv
ist. |
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P.S.: Linkshänder vertauschen einfach in den folgenden
Angaben die Seiten und Saiten.
Rechte Hand-Technik
1.) 1-2/2-1 Wechsel (1 = Zeigefinger, 2 = Mittelfinger)
Es mag einigen von Euch offensichtlich erscheinen, dass die
effizienteste Anschlagsweise der alterierende Fingeranschlag
ist (sequentieller Wechsel der anschlagenden Finger). Übt
dies mit reliöser Inbrunst! I stelle immer wieder
fest, dass die meisten Spieler im Anschlag inkonsistent werden,
wenn es darum geht absteigende Linien (von oberen zu unteren
Saiten) zu spielen. Sie haben eine Tendenz mit einem einzelnen
Finger über die Saiten zu gehen, anstatt sich sauber
anschlagend von unten nach oben zu arbeiten. Arbeitet hart
daran, diese hinderlichen Methoden zu meiden, sonst seid Ihr
nicht in der Lage, herausfordernde String Skipping oder andere
saitenübergreifende Linien ohne Schlampigkeiten zu spielen,
egal, in welche Richtung es geht.
2.) 'Thumb Trailing', Dämpfen
'Thumb Trailing' (Daumen-Nachziehen) ist eine Technik,
an der ich erkrankt bin, die unter dem Namen 'B String Stikitis'
bekannt ist. Scherz beiseite, es war die schlimmste technische
Fussangel, die ich je überwinden musste, als ich vom
Viersaiter zum Fünfsaiter und Sechsaiter mit der zusätzlichen
dicken B-Saite wechselte. Weil wir Finger-Spieler dazu tendieren,
uns auf den unteren Saiten auszuruhen, zeigt es sich, das
das Einschieben einer zusätzlichen B-Saite die Arbeit
erheblich erschwert. Die meisten Leute haben nämlich
ein Problem damit, auf einem Fünfsaiter oder Sechssaiter
die Saiten still zu halten. Der Weg, wie ich das geschafft
habe, ist die 'Thumb Trailing'-Methode, die für alle
Bässe anwendbar ist, unabhängig von der Saitenzahl.
Hier ist eine prinzipielle Darstellung, wie es auf einem Fünfsaiter
geht:
| Wenn man auf der tiefen B-Saite spielt,
ruht der Daumen auf einem Pickup oder auf dem Korpus.
Spielt man auf der E-Saite, ruht der Daumen auf der
B-Saite, auf der A-Saite auf der E-Saite, auf der D-Saite
auf der A-Saite u.s.w. |
Auf diese Weise hält man Saiten still, von
denen man sich nach oben bewegt.
3.) Hand-Plazierung und Ton
Vergesst nicht, dass der Punkt, wo Ihr die Saiten spielt,
den Ton insgesamt stark beeinflusst! Im allgemeinen bekommt
Ihr einen runden, warmen Ton, wenn Ihr eher zum Hals hin spielt.
Schlagt Ihr näher an der Bridge an, ist der Ton härter
und schärfer. So kann man natürlich eine Vielzahl
von Sounds erreichen, indem man den Anschlagpunkt variiert.
Seid aber keinesfalls eingeschränkt un dem Bereich in
dem Ihr anschlagt. Es kann passieren, dass bei einem Stück
ein anderer Ton erwartet wird als Ihr aktuell liefert. Es
spart eine Menge Zeit und Kopfschmerzen, wenn Ihr rasch Euren
Anschlag verändern könnt anstatt am Verstärker
herumzufummeln.
Linke Hand-Technik
1. Spielt mit den Fingerkuppen!
Ich sehe leider oft, speziell bei Anfängern, einen Ansatz
zum flachen Greifen, d.h., der greifende Finger liegt parallel
zur Griffbrett-Oberfläche. Dies geschieht meist aufgrund
eines Mangels an Kraft in den Fingern der linken Hand. Stattdessen
sollte die Hand gewölbt sein, ähnlich wie bei Pianisten
oder klassischen Gitarristen. Spielen mit den Fingerkuppen
sichert präzises Greifen und Intonation, als auch Stimmigkeit
in den Greifbewegungen. Das Prinzip lässt sich wohl am
beispielhaftesten beim bundlosen Bass verfolgen. Fretless-Spieler
wissen nämlich, dass sich die beste Intonation ergibt,
wenn die Auflagefläche der Fingerkuppe minimal ist [denn
so ist das Rollieren zur Korrektur der Intonation am effektivsten
d.S.]. Das lässt sich auf den bundierten Bass
genau übertragen
2. Haltet Eure Finger senkrecht zum Hals
Das ist mehr eine allgemeine Regel als eine strikte Regel.
Allgemein gesprochen sollten Eure Finger im 90Grad-Winkel
zum Griffbrett stehen. Das betrifft mehr die Stellung des
Handgelenkes als irgendetwas anderes. Zugunsten von Bequemlichkeit
oder dem Vermeiden einer Anspannung sollte ein gewisser Platz
zwischen dem Hals und Eurer Hand-Innenfläche sein. Nochmals:
wir borgen uns diese Techniken von den Spielern der klassischen
Gitarre. Ein einfacher Weg zu prüfen, ob Ihr richtig
liegt, ist, dass der Daumen der linken Hand niemals um den
Hals herum greifen sollte. Es kann sein, dass Ihr auch feststellt,
dass dieser Ansatz ein wenig verändert werden kann, je
höher auf dem Hals Ihr greift. Auf jeden Fall solltet
Ihr scharfes Abknicken des Handgelenkes vermeiden solltet,
denn das kann erhebliche Probleme verursachen, z.b. Sehnenscheiden-Entzündungen
oder Tendinitis (Gelenk-Entzündungen).
3. Haltet den Daumen mittig auf der Halsrückseite
Den vorherigen Ausführungen folgend ist es das Beste,
den Daumen der linken Hand irgendwo in der Mitte der Halsrückseite
zu halten. Macht Ihr, sagt Ihr? Prima, dann können wir
ja mal einen kleinen Test machen. Während Ihr spielt,
hebt den Daumen ein kleines Stückchen von der Halsoberfläche
ab, ohne die gerade gespielte Linie zu unterbrechen. Fällt
das Spiel zusammen? Ist die Antwort 'Ja', dann habt Ihr Euch
des Verbrechens der Anspannung schuldig gemacht! Und zuviel
Spannung ist von Übel. Viele Spieler setzen den Daumen
der linken Hand unter Spannung, was Schmerzen und Leiden in
der Zukunft bedeuten kann, wenn Ihr nicht jetzt darauf achtet.
Was ich beobachtet habe, ist, dass diese Spannung i.d.R. in
der Schulter beginnt und sich dann bis in die Hände herunterzieht.
Zu überprrüfen ist das leicht: nachdem Ihr eine
Zeit lang gespielt habt, hört Ihr auf und entspannt Euch
ganz bewusst. Sinkt die Schulter herunter? Wenn ja, habt die
Schulter unter Spannung. zwingt Euch dazu, in dem Moment,
in dem Ihr es angebracht spürt, beim Spielen zu pausieren
und zu entspannen. Dann erst weiterspielen. Das kann für
die Zukunft eine Menge körperlicher Probleme vermeiden
helfen, wenn Ihr solche schlechten Angewohnheiten möglichst
früh bekämpft.
Baut diese Prinzipien in Eure Übungs-Abläufe ein.
Sie mögen zuerst seltsam erscheinen, aber sie sollten
zu einem festen Bestandteil werden, wenn Ihr Euch nur gelegentlich
darauf konzentriert.
Ach ja, ..., noch 'was:
Übt Technik um der Technik
willen!
Übungen
Um eine konsistente Linke/Rechte Hand-Arbeit zu erreichen,
ist das Üben obiger Prinzipien unerlässlich, und
zwar mit einer Palette von Übungen. Zum Erreichen der
Ziele empfiehlt sich die 'One-Finger-Per-Fret'-Methode, wenn
man eine effektive und effiziente Spieltechnik erreichen will.
Beim Üben von Technik, wie bei allen anderen Themen,
die mit Akuratheit und Präzision zu tun haben, empfilet
sich die Nutzung eines Metronoms oder eines Drum Computers,
um eine zuverlässige Quelle für's Timing zu haben.
Diese Mittel erlauben Euch, in einer konstanten und unveränderlichen
Zeitzone zu arbeiten. Und es ist nur natürlich, dass
die Gewohnheit, mit einem Metronom zu arbeiten, auch Eure
Zusammenarbeit mit einen realen Drummer erheblich erleichert.
Es ist die Gewohnheit zur Präzision.
Permutations-Übungen
Übt diese Fingersätze für die linke Hand Griffbrett
auf- und abwärts mit der 'One-Finger-Per-Fret'-Methode,
über alle Saiten und mit dem 1-2-Wechselschlag der rechten
Hand. Thumb Trailing nicht vergessen!
Übung 1 (Zahlen repräsentieren Finger):
- 1 - 2 - 3 - 4 - 2 - 1 - 3 - 4 - 3 - 1 - 2 - 4 - 4
- 1 - 2 - 3
- 1 - 2 - 4 - 3 - 2 - 1 - 4 - 3 - 3 - 1 - 4 - 2 - 4
- 1 - 3 - 2
- 1 - 3 - 2 - 4 - 2 - 3 - 1 - 4 - 3 - 2 - 1 - 4 - 4
- 2 - 1 - 3
- 1 - 3 - 4 - 2 - 2 - 3 - 4 - 1 - 3 - 2 - 4 - 1 - 4
- 2 - 3 - 1
- 1 - 4 - 2 - 3 - 2 - 4 - 1 - 3 - 3 - 4 - 1 - 2 - 4
- 3 - 1 - 2
- 1 - 4 - 3 - 2 - 2 - 4 - 3 - 1 - 3 - 4 - 2 - 1 - 4
- 3 - 2 - 1
Übung 2
Übt die obigen 24 Muster aus Übung 1 simultan,
One-Finger-Per-Fret und One-Finger-Per-String! Die Fingersätze
bekommen dann eine diagonale Form, wie hier gezeigt:
Alternativ kann man die Permutationen auch umkehren, um eine
noch bessere Links/Rechts-Koordination zu üben:
Soweit, so gut.
Keep it bassy!!!
Übersetzt von Rainer
Böttchers, August 1999
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